Köln (epd). Der Politikwissenschaftler Wolfgang Schroeder sieht im sachsen-anhaltischen Wahlkampf eine „neue Qualität an Emotionalisierung“. Zuvorderst sei diese von der AfD befeuert worden, schilderte Schroeder seine Sicht am Dienstag im Deutschlandfunk. Aktivisten, Influencer und Streamer seien in einem Maße eingesetzt worden, das „wir in dieser Form in deutschen Wahlkämpfen bisher noch nicht erlebt haben“.
Der sachsen-anhaltische Landtag wird am Sonntag neu gewählt. In Umfragen liegt die AfD vorn, deren Landesverband vom sachsen-anhaltischen Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft wird.
„Da laufen wirklich zwei Züge aufeinander“
Der Parteienforscher von der Universität Kassel sagte, die Mobilisierung der AfD führe zu einer Gegenmobilisierung bei der „demokratischen linken Struktur“ in Sachsen-Anhalt. „Da laufen wirklich zwei Züge aufeinander“, sagte Schroeder, der Mitglied der SPD ist. Das werde am Wochenende auf keinen Fall „ohne Emotionen, Konflikte, Provokationen und Auseinandersetzungen“ ausgehen.
Der Politikwissenschaftler benannte als weitere Strategie der AfD neben der Emotionalisierung des Wahlkampfs das „Hereinträufeln von Misstrauen“. Die AfD sät unter anderem Zweifel an einem korrekten Ablauf der Abstimmung in Alten- und Pflegeheimen, stellt die Sicherheit der Briefwahl infrage und ruft ihre Anhänger dazu auf, nach Schließung der Wahllokale am Sonntagabend die Auszählungen vor Ort zu überprüfen. Man versuche schon jetzt, das Ergebnis der Wahl zu delegitimieren für den Fall, dass es nicht so ausfällt, wie man es gerne hätte, sagte Schroeder. Das kopiere Methoden von US-Präsident Donald Trump.



