Pro Asyl: Bundesregierung "öffnet den Taliban die Tür"

Pro Asyl: Bundesregierung "öffnet den Taliban die Tür"
Vertreter der Taliban sind vergangene Woche in Deutschland eingereist. Daran gibt es harsche Kritik, unter anderem von der Menschenrechtsorganisation Pro Asyl.

Berlin (epd). Nach der Einreise weiterer Vertreter der Taliban-Regierung nach Deutschland vergangene Woche hat die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl schwere Vorwürfe gegen die Bundesregierung erhoben. „Mit jedem weiteren Visum wertet die Bundesregierung das international geächtete Taliban-Regime politisch auf“, sagte Pro-Asyl-Geschäftsführerin Helen Rezene dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ (RND, Dienstag). „Sie öffnet den Taliban die Tür nach Deutschland und damit nach Europa.“ So entstehe eine dauerhafte Zusammenarbeit „mit einem islamistischen Gewaltregime, das die afghanische Bevölkerung terrorisiert und Frauen und Mädchen systematisch entrechtet.“ Der Aufenthalt der Delegation der Taliban in Deutschland soll Medienberichten zufolge im Zusammenhang mit weiteren Abschiebungen afghanischer Staatsbürger in ihr Heimatland stehen.

„Keine normalen Beziehungen“

Auch der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Lars Castellucci (SPD), warnte vor einer Normalisierung der Beziehungen: „Zu einem Regime wie den Taliban kann es keine normalen Beziehungen geben“, sagte er dem RND. Es müsse alles vermieden werden, „was nach einer Normalisierung der Beziehungen oder einer Anerkennung dieses Regimes aussieht, ohne dass es im Gegenzug substanzielle Fortschritte bei den Menschenrechten gibt“.

Die Bundesregierung hatte die Abschiebungen nach Afghanistan zuletzt ausgeweitet. Anders als zuvor werden nicht mehr nur verurteilte Straftäter zwangsweise in ihr Herkunftsland zurückgebracht. Um mehr Menschen abschieben zu können, intensivierte die Regierung ihre Kontakte zu den radikalislamischen Taliban, die in Afghanistan seit fünf Jahren wieder an der Macht sind.