UN-Ausschuss ruft Staaten zu Aufarbeitung von Sklaverei auf

UN-Ausschuss ruft Staaten zu Aufarbeitung von Sklaverei auf
Die Folgen von Sklavenhandel und Sklaverei sind laut dem UN-Ausschuss zur Abschaffung der Rassendiskriminierung noch immer greifbar. Er nimmt Länder, Institutionen und Unternehmen, die von der Ausbeutung profitierten, in die Pflicht.

Genf (epd). Die Vereinten Nationen rufen Regierungen rund um den Globus zur Aufarbeitung der Sklaverei und deren Folgen auf. Der Handel mit versklavten Menschen und die rassistisch geprägte Sklaverei wirkten sich bis heute in Rassendiskriminierungen und strukturellen Ungleichheiten aus, erklärte der zuständige UN-Ausschuss am Montag in Genf. Das begründe eine Verpflichtung der Staaten, für ausgleichende Gerechtigkeit zu sorgen.

„Der gegen Schwarze gerichtete Rassismus, der zur Aufrechterhaltung der Sklaverei geschaffen wurde, hat sich auch lange nach deren Abschaffung erhalten“, heißt es in den neuen Leitlinien des Ausschusses zur Abschaffung der Rassendiskriminierung. Als Erbe wirke er sich etwa weiter auf Gesetze und politische Maßnahmen aus und präge Institutionen.

Hürden für Bildung, Gesundheit und Einkommen

Rassistisch motivierte Gewalt, Stereotypisierung und strukturelle Barrieren schränkten Bildungserfolge, wirtschaftliche Mobilität, Gesundheitsfürsorge und Umweltsicherheit ein, erklärte der Ausschuss weiter. Ohne ein „uneingeschränktes Bekenntnis zur Aufarbeitung und Wiedergutmachung der Schäden und anhaltenden Folgen des Handels mit versklavten Afrikanern und der rassistisch geprägten Sklavenhaltung“ könne Rassendiskriminierung nicht wirksam, konsequent und dauerhaft beendet werden.

Mit seinen Empfehlungen gibt der UN-Ausschuss den Vertragsstaaten des Internationalen Übereinkommens zur Beseitigung jeder Form von rassistischer Diskriminierung (ICERD) aus dem Jahr 1965 Leitlinien zu dessen Umsetzung. Aufgeführt sind ausgleichende Maßnahmen, darunter finanzielle und strukturelle sowie Schritte zu Rückgabe oder Entschädigung. Auch private und nicht staatliche Akteure wie religiöse Organisationen, Universitäten, Unternehmen und Finanzinstitute, die vom Sklavenhandel profitierten, sollten zur Aufarbeitung beitragen, heißt es weiter. Dazu gehöre das Eingestehen ihrer historischen Rolle, das Öffnen von Archiven und das Mitwirken an Maßnahmen zur Wiedergutmachung.