Dessauer Kirchentag macht Menschen und Kirche Hoffnung

Dessauer Kirchentag macht Menschen und Kirche Hoffnung
Eine Woche vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat Deutschlands kleinste Landeskirche zu einem besonderen Kirchentag mit viel kirchlicher Prominenz eingeladen.
30.08.2026
epd
Von Thomas Nawrath (epd)

Dessau-Roßlau (epd). Die Evangelische Landeskirche Anhalts hat am Sonntag mit mehr als 2.000 Kirchentagsbesuchern in Dessau-Roßlau ein Hoffnungskulturfest gefeiert. Kirchenpräsident Karsten Georg Wolkenhauer sagte in seiner Predigt: „Das Wort Gottes ist es, das mir in diesen Tagen Hoffnung macht, in seiner tiefsinnigen und klaren Orientierung quer durch die Zeit.“ Eine Woche vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt rief er die Kirchentagsbesucherinnen und -besucher auf, sich „in zivilgesellschaftliche Verantwortung, ins Ehrenamt, ins Engagement“ rufen zu lassen, „gegen die Brandstifter und Großmäuler und Drohgebärden“.

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin Kirsten Fehrs, pflichtete Wolkenhauer bei: „Hier beim Hoffnungskulturfest wird deutlich, was man im Alltag oft nicht so sieht - wie viele wir sind. Das gibt Hoffnung, die wir alle brauchen.“ Dieser Zusammenhalt benötige aber auch die gemeinsame Kommunikation. Deshalb würden Kirche und Diakonie zu vielen Verständigungsorten einladen.

Auch Gläubige brauchen Ermutigung

Trotz aller Herausforderungen sei die Anhaltische Kirche nah bei den Menschen, sagte Wolkenhauer. Die Kirchengemeinden luden unter dem Motto „Die Kirche bleibt im Dorf“ zum gemeinsamen Mittagessen an 120 Tischen auf dem Marktplatz ein. Unter den Gästen waren auch Bischöfe und Präsides von sieben anderen evangelischen Landeskirchen, unter anderem Sachsen, Berlin-Brandenburg, Württemberg sowie des katholischen Bistums Magdeburg.

Die Präses der EKD-Synode, Anna-Nicole Heinrich, sagte: „Man merkt, dass die Menschen in den hiesigen Landeskirchen Rückhalt brauchen.“ Für sie sei es ermutigend, Feste wie in Dessau zu erleben, wo Gläubige mit anderen Menschen zusammenkommen. „Es ist wichtig, den Menschen zuzuhören und nicht gegen jemanden zu sein“, sagte Heinrich. Ihr sei es wichtig, „die Vielstimmigkeit unserer Gesellschaft und unserer Kirchen zuzulassen.“ Doch dort „wo Grenzen überschritten werden, muss dies auch angesprochen werden“, machte sie deutlich.

Hoffnung über Kirchen hinaus

Mit Gesprächsangeboten auf der Bühne wurde das Thema Hoffnung aus verschiedenen Perspektiven betrachtet. Der sächsische Pfarrer und Influencer Justus Geilhufe betonte dabei, dass „das Dasein vor Ort ganz zentral“ sei. Das Kirchgebäude sei nicht nur für die Gläubigen ein wichtiger Ort. „Es ist den Menschen nicht egal, wenn diese Tür dauerhaft geschlossen würde“, sagte Geilhufe. Doch es benötige Angebote für die Menschen, auch für die Nichtkirchenmitglieder.

Die Regionalbischöfin der mitteldeutschen Landeskirche, Bettina Schlauraff, verwies darauf, dass viele Ehrenamtliche die Kirchen zu Orten der Begegnung machten. Sie plädierte dafür, mehr Mut zu zeigen. Die Frage sei, „was sind wir bereit aufzugeben, wenn wir unsere Kirchengebäude öffnen“, sagte Schlauraff. Die Botschaft des christlichen Glaubens sei, „dass wir eine Hoffnungspflicht haben.“