Wieczorek-Zeul zu 9/11: Nichts war mehr so wie vorher

Wieczorek-Zeul zu 9/11: Nichts war mehr so wie vorher
Heidemarie Wieczorek-Zeul war Entwicklungsministerin, als am 11. September 2001 islamistische Terroristen Flugzeuge in das World Trade Center in New York lenkten. Die Bilder der brennenden Türme haben sich ihr eingebrannt, erzählt sie.
29.08.2026
epd
epd-Gespräch: Franziska Hein und Moritz Elliesen

Wiesbaden (epd). Die Fernsehbilder von 9/11 bewegen die frühere Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) bis heute. „Die Bilder haben sich mir bis heute eingebrannt. Auch Jahre oder Jahrzehnte später habe ich beim Anblick von Hochhäusern Erinnerungen an den 11. September“, sagte sie dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Am Morgen des 11. September 2001 steuerten islamistische Terroristen der Terrororganisation Al-Kaida entführte Passagierflugzeuge in das World Trade Center in New York und ins Pentagon in Arlington, Virginia. 3.000 Menschen starben bei den Anschlägen.

Nato-Bündnisfall war absehbar

Wieczorek-Zeul war bei der ersten Sitzung des Krisenkabinetts von Gerhard Schröder (SPD) noch am selben Tag im Kanzleramt dabei. „Wir hatten alle das Gefühl, dass nichts mehr so ist, wie es vorher war. Natürlich haben wir auch darüber gesprochen, wie die US-amerikanische Regierung reagiert. Es war absehbar, dass es einen Nato-Bündnisfall geben wird“, sagte Wieczorek-Zeul, die von 1998 bis 2009 Bundesentwicklungsministerin gewesen ist.

Noch am 11. September stellte der Nordatlantikrat den Bündnisfall fest, der am 2. Oktober bestätigt wurde - der erste in der Geschichte der Nato. Wieczorek-Zeul: „Jeder hatte das Gefühl: Jetzt fängt eine andere Zeit an. Der Terroranschlag auf die Vereinigten Staaten, auf ihr eigenes Territorium, war in der Form einmalig.“

Weltweites Erschrecken über die Gewalt

Es habe weltweit ein Erschrecken über die Gewalt gegeben, sagte die 83-Jährige. Der Resolution des UN-Sicherheitsrates, in der die Anschläge als Bedrohung des Weltfriedens verurteilt wurden, habe sich damals auch Russland unter Wladimir Putin angeschlossen.

In den USA habe sich viel um eine militärische Antwort gedreht, zugleich habe es aber auch Signale in Richtung mehr Einsatz für globale Gerechtigkeit gegeben. „Mit dem völkerrechtswidrigen Angriff auf den Irak erfolgte eine falsche Weichenstellung, die fatal war. Das war das Gegenteil der Bemühungen, global für mehr Rechtsstaatlichkeit zu sorgen“, sagte die SPD-Politikerin.