Forderungen nach höherer Erbschafts- und Schenkungssteuer

Forderungen nach höherer Erbschafts- und Schenkungssteuer
Das Erbschafts- und Schenkungssteueraufkommen lag 2025 mehr als 60 Prozent über dem des Vorjahres. Bei sehr großen Firmenvermögen aber gab es einen starken Rückgang. Verbände und Experten kritisieren steuerliche Ungerechtigkeiten.
26.08.2026
epd
Von Nils Sandrisser (epd)

Wiesbaden (epd). Nach einem deutlichen Sprung nach oben bei der Erbschafts- und Schenkungssteuer mehrt sich Kritik an einer Vermögensungleichheit in Deutschland. Ein Bündnis aus Verbänden und Gewerkschaften forderte am Mittwoch die Streichung von Steuersubventionen für Erbinnen und Erben von großen Unternehmensvermögen. Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, bemängelte, die ungleiche Besteuerung von Arbeit und Konsum einerseits sowie von Erbschaften und Schenkungen andererseits widerspreche dem Leistungsprinzip.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden sind die Einnahmen des Fiskus durch Erbschaften und Schenkungen auf ein Rekordniveau gestiegen. Die festgesetzte Erbschafts- und Schenkungssteuer lag 2025 bei 21,4 Milliarden Euro damit im Vergleich zu 2024 um 60,8 Prozent höher, teilte das Bundesamt mit.

Starkes Minus bei vererbten großen Betriebsvermögen

Der deutliche Sprung nach oben im Vergleich zum Vorjahr liegt nach Angaben des Bundesamts vor allem daran, dass sich die festgesetzte Steuer bei großen Vermögensübertragungen von mehr als 20 Millionen Euro im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt habe (plus 146,8 Prozent im Vergleich zu 2024). Laut dem Bundesamt erreichte die Erbschaftssteuer mit 13,3 Millionen Euro im vergangenen Jahr einen Höchststand und stieg im Vergleich zu 2024 um 57,1 Prozent. Auch die Schenkungssteuer sei im Vergleich mit 2024 um 67,3 Prozent auf 8,1 Milliarden Euro gestiegen.

Insgesamt seien 2025 steuerlich berücksichtigte Vermögenswerte in Höhe von 141,1 Milliarden Euro übertragen worden (plus 23,1 Prozent), hieß es weiter. Das Bundesamt wies darauf hin, dass diese Zahlen keine Aussage darüber zuließen, wie viel Vermögen im vergangenen Jahr tatsächlich übertragen wurde. Die meisten Erbschaften oder Schenkungen lägen unterhalb der Freibeträge, daher werde dafür in der Regel keine Steuer festgesetzt und sie tauchten nicht in der Statistik auf.

Die steuerlich erfassten Vererbungen stiegen um 36,2 Prozent auf 87,3 Milliarden Euro. Insbesondere seien Anteile an Kapitalgesellschaften häufiger vermacht worden (3,2 Milliarden Euro oder plus 71, 8 Prozent), während sich vererbte große Betriebsvermögen von mindestens 26 Millionen Euro mehr als halbierten (minus 58,9 Prozent auf 0,5 Milliarden Euro). Geschenktes Vermögen insgesamt stieg um 28,7 Prozent auf 63,2 Milliarden Euro.

Kritik an hoher Vermögensungleichheit

Ein Bündnis, dem unter anderen Attac Deutschland, der Deutsche Gewerkschaftsbund und der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband angehören, wies darauf hin, dass Großerbinnen und -erben im vergangenen Jahr rund zwölf Milliarden Euro geerbt hätten, darauf aber nur zwei Prozent Steuern gezahlt hätten. Hingegen würden kleinere Erbschaften oberhalb der Freibetragsgrenze verhältnismäßig stark besteuert. Das widerspreche dem gesellschaftlichen Selbstverständnis, das auf Chancengleichheit und sozialer Mobilität beruhe, hieß es.

DIW-Chef Fratzscher sah in dem stark gestiegenen Steueraufkommen ein Zeichen für die „in Deutschland ungewöhnlich hohe Vermögensungleichheit“, wie er der „Rheinischen Post“ sagte. Erbschaften und Schenkungen sollten prinzipiell nicht geringer besteuert werden als Einkommen aus Arbeit.