Dachau (epd). Der Pfarrer der Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau, Björn Mensing, hat im Vorfeld der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt dazu aufgerufen, nicht die AfD zu wählen. Gemeinsam mit Katrin Eigenfeld, Enkeltochter des NS-Verfolgten Walter Gabriel und selbst frühere Bürgerrechtlerin und Stasi-Gefangene in Halle an der Saale, und Dafna Gerstner, Deutsch-Israelin und Überlebende des Hamas-Massakers am 7. Oktober 2023, veröffentlichte er am Dienstag einen Appell, der auch dem Schutz der Erinnerungsarbeit dienen soll. Bei einer Regierungsübernahme der AfD sei die unabhängige Bildungsarbeit an authentischen Orten der Erinnerung an die Opfer politisch motivierter Justiz der NS-Zeit 1933 bis 1945 sowie der DDR 1945 bis 1989 bedroht.
„Die rechtsextreme Partei kündigt in ihrem 'Regierungsprogramm' eine radikale Abkehr von der demokratisch verankerten Erinnerungskultur an, der sie fälschlich negative Auswirkungen unterstellt“, schreiben Mensing, Eigenfeld und Gerstner. Tatsächlich könne die AfD bei einer Regierungsübernahme in Sachsen-Anhalt den „angemessenen (selbst)kritischen Umgang mit der deutschen Geschichte und die solidarische Erinnerungsarbeit mit der Würdigung der Verfolgten in der schulischen und außerschulischen Bildungsarbeit massiv beschädigen.“
Fahrten zu Gedenkstätten will die AfD nicht mehr unterstützen
Kai Langer, Direktor der Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt, habe kürzlich in der „Frankfurter Rundschau“ darauf verwiesen, dass die AfD, wenn sie in Sachsen-Anhalt in die Regierung komme, die Förderung für „sogenannte Gedenkstättenfahrten“ für Schulklassen streichen wolle. Stattdessen sollten Fahrten zu Orten unterstützt werden, „die für die ältere deutsche Nationalgeschichte von Bedeutung“ seien. „Aber gerade bei qualifizierten Führungen durch Gedenkstätten können Jugendliche am authentischen Ort etwas über das Schicksal der Verfolgten erfahren“, schreiben die Initiatoren.
Der Theologe und promovierte Historiker Björn Mensing hat 21 Jahre lang die Erinnerungsarbeit an der Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau geleitet. Ende des Monats geht er in den Ruhestand.



