Berlin (epd). Mit einer 45-tägigen Blockade und einer Geldstrafe von mehreren Tausend Euro sanktioniert Italien die jüngste Seenotrettung der „Sea-Watch 5“. Damit kriminalisierte die Regierung in Rom Rettungsschiffe für ihre Arbeit, während Menschen auf der Suche nach Sicherheit ertränken, erklärte die Hilfsorganisation Sea-Watch am Montag in Berlin. „Das ist keine Migrationspolitik - das ist aktive Behinderung von Nothilfe.“
Die Besatzung der „Sea-Watch 5“ hatte zuvor nach eigenen Angaben sechs Menschen in internationalen Gewässern aus dem Meer gerettet. Diese seien von nicht näher bekannten Personen über Bord gezwungen worden. Nach der Rettung habe sich ein libysches Schiff der „Sea-Watch 5“ genähert und die Crew mit einer Schusswaffe bedroht. Anschließend habe das Schiff die Retter noch für einige Zeit verfolgt. Auf dem viertägigen Weg nach Neapel habe die Besatzung zudem noch acht Leichen dokumentieren müssen, was auf die drastisch steigenden Todeszahlen im Mittelmeer hinweise. Allein in den vergangenen drei Wochen seien nahezu 60 Leichen gefunden worden.
Mehr als 1.700 Tote und Vermisste in diesem Jahr
Seit 2023 habe Italien Rettungsschiffe 44 Mal für insgesamt mehr als 960 Tage festgesetzt, protestierte die Rettungsorganisation. Die Blockade der „Sea-Watch 5“ sei die achte in diesem Jahr.
Das Mittelmeer zählt zu den gefährlichsten Fluchtrouten der Welt. Geflüchtete und Migranten stechen in häufig nicht seetauglichen Booten aus nordafrikanischen Ländern wie Libyen und Tunesien in See in der Hoffnung, Europa zu erreichen. Eine staatlich organisierte Rettungsmission gibt es nicht. Lediglich die Schiffe privater Seenotretter halten Ausschau nach in Not geratenen Menschen. Seit Beginn des Jahres wurden laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) bereits mehr als 1.700 Tote oder Vermisste bei Versuchen, das Mittelmeer zu überqueren, gemeldet.



