Düsseldorf (epd). Der Klimaforscher Stefan Rahmstorf rechnet damit, dass Europa künftig besonders stark von Wetterextremen betroffen sein wird. Besonders die im globalen Vergleich starke Erderwärmung führe dazu, sagte der Professor vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ (Montag). Das bedeute, dass Extreme, die früher vielleicht alle 500 Jahre aufgetreten seien, heute etwa alle 50 Jahre vorkommen könnten. „Solche krassen Ereignisse, die schon aus der aktuellen globalen Erwärmung von 1,4 Grad folgen, haben wir noch gar nicht erlebt.“
Grundsätzlich erwärmten sich alle Landflächen schneller als die globale Durchschnittstemperatur, erläuterte der Klimaforscher. Denn die Erdoberfläche bestehe zu 71 Prozent aus Meeresoberfläche, und die Meere erwärmten sich langsamer als Landgebiete. In Europa komme zudem die atmosphärische und ozeanische Zirkulation ins Spiel. Studien zeigten, dass sich der Jetstream in der Atmosphäre durch die globale Erwärmung verändert, was zu mehr Hitze in Europa führe. Außerdem gebe es einen Zusammenhang zwischen der Kälteblase im Nordatlantik und Hitzesommern in Europa. „Tiefdruckgebiete bleiben über den kalten Wassermassen hängen. Durch die entstehende Luftzirkulation wird Europa aus südwestlicher Richtung mit heißer Luft angeströmt.“
„Klimaneutralität bedeutet nicht, dass es besser wird, sondern nur weniger schlimm“
Eine geordnete Anpassung an die Folgen der Klimakrise werde unmöglich, wenn der Weg zur Klimaneutralität nicht konsequent verfolgt werde, mahnte Rahmstorf. „Klimaneutralität bedeutet nicht, dass es besser wird - es bedeutet nur, dass es nicht noch schlimmer wird.“ Um Temperaturen zu senken, bräuchte es sogar negative Emissionen, „also müsste man CO2 aktiv aus der Atmosphäre entnehmen“. Technologien dazu seien aber sehr teuer und hätten 2025 weltweit nur zwei Millionen Tonnen CO2 aus der Atmosphäre geholt, „während die fossilen CO2-Emissionen bei 38 Milliarden Tonnen lagen - also dem 19.000-fachen“. Derartige Technologien könnten eine Ergänzung werden - aber kein Ersatz für die Reduktion von Emissionen.



