Köln (epd). Ohne Zuwanderung droht den ostdeutschen Flächenländern laut einer Studie ein massiver Rückgang der Menschen im erwerbsfähigen Alter. Sollte die Migration ausbleiben, würde die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter zwischen 15 und 66 Jahren in Ostdeutschland bis 2045 um fast 22 Prozent auf etwa sechs Millionen sinken, erklärte das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln am Freitag. Die demografische Krise in den ostdeutschen Flächenländern werde sich damit weiter zuspitzen, die Versorgung der Bevölkerung sei gefährdet.
Laut der IW-Bevölkerungsprognose wären die Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt von dieser Entwicklung besonders betroffen. In Mecklenburg-Vorpommern würde der Anteil der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter ohne Migration bis 2045 um fast 25 Prozent zurückgehen. Ähnlich sieht es laut den Berechnungen für Sachsen-Anhalt aus: Ohne Zuwanderung würde die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter bis 2045 um gut 24 Prozent sinken. Bundesweit liegt der prognostizierte Rückgang bei 17 Prozent.
Derzeit leben in Ostdeutschland noch 7,7 Millionen erwerbsfähige Menschen
Laut der IW-Bevölkerungsprognose leben zurzeit in Ostdeutschland rund 7,7 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter. Zwischen 1995 und 2025 hätten die dortigen Flächenländer bereits rund 2,3 Millionen erwerbsfähige Menschen verloren. Gemessen an der Gesamtbevölkerung sank ihr Anteil von knapp 71 auf unter 63 Prozent.
Fehlten einer Region massenhaft Arbeitskräfte, könne die Wirtschaft die Versorgung der Bevölkerung nicht mehr leisten, mahnten die Studienautoren. Besonders betroffen seien Dienstleistungen, die sich schwer automatisieren ließen. „Pflegekräfte, Friseure, Handwerker oder Ärzte müssen vor Ort sein und lassen sich nicht durch KI ersetzen“, sagte IW-Experte Wido Geis-Thöne.
Junge Leute könnten verstärkt wegziehen
Zudem könne durch diese Entwicklung die Attraktivität der ostdeutschen Bundesländer für jüngere Menschen weiter sinken. Das könnte zu einer Abwanderungsbewegung wie in den 1990er Jahren führen. Es drohe „ein Teufelskreis aus weniger Arbeitskräften, weniger Wirtschaftskraft, geringerer Attraktivität für jüngere Menschen und noch mehr Wegzügen“, betonte Geis-Thöne.



