Tierschutzbund kritisiert Umgang mit Straßenhunden in der Türkei

Tierschutzbund kritisiert Umgang mit Straßenhunden in der Türkei
In der Türkei gibt es zu wenig artgerechte Tierheimplätze für rund vier Millionen Straßenhunde, beklagt der Deutsche Tierschutzbund. Die Kommunen des Landes seien überfordert. Auch das Problem der unkontrollierten Vermehrung werde nicht gelöst.

Bonn (epd). Der Deutsche Tierschutzbund hat einen unwürdigen Umgang mit Straßenhunden in der Türkei kritisiert. Das massenhafte Einsammeln von Straßenhunden löse das Problem nicht, sondern verlagere Leid lediglich von den Straßen in überfüllte Tierheime, erklärte die Organisation am Montag in Bonn. Auch das Problem der unkontrollierten Vermehrung sei nicht gelöst. Um den Druck auf die Politik weiter zu erhöhen, rät der Tierschutzbund aktuell von Reisen in die Türkei ab.

„Nur wenn sich genügend Menschen bewusst gegen einen Türkei-Urlaub entscheiden, entsteht wirtschaftlicher Druck, der tatsächlich etwas verändern könnte“, so Lisa Hoth-Zimak, Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. Wer helfen möchte, könne zudem seriöse Tierschutzorganisationen vor Ort unterstützen und im eigenen Umfeld auf die Situation der Straßenhunde aufmerksam machen. Nötig sei neben der Kastration der Straßenhunde auch die Kastration von Hunden mit Besitzern sowie die Aufklärung der Bevölkerung.

Tierheime mit Platznot

In der Türkei verpflichte eine Gesetzesänderung vom August 2024 die Kommunen, bis spätestens 2028 streunende Hunde einzufangen und in Tierheimen unterzubringen, hieß es weiter. Bei Nichteinhaltung drohe ihnen Bußgelder von umgerechnet rund 2.000 Euro pro Hund. Landesweit stehen den Angaben zufolge für rund vier Millionen betroffene Tiere aber nur etwa 110.000 Tierheimplätze zur Verfügung. Das Gesetz erlaube auch die Tötung kranker oder aggressiver Hunde, ohne klare Kriterien.

Mehrfache Appelle des Verbandes für eine tierfreundliche Lösung an zuständige Stellen in der Türkei sowie Gremien in Deutschland seien bislang ohne Resonanz geblieben. Der Deutsche Tierschutzbund forderte die türkische Regierung auf, die aktuelle Strategie zu überdenken und gemeinsam mit Tierschutzorganisationen nachhaltige und tierschutzgerechte Lösungen zu entwickeln. Türkische Tierschützer setzten sich mit großem Engagement für die betroffenen Hunde ein und versuchten, die Folgen der politischen Maßnahmen abzufedern.