ver.di: Befragung in Pflegeheimen zeigt extreme Hitzebelastung

ver.di: Befragung in Pflegeheimen zeigt extreme Hitzebelastung
Eine Umfrage der Gewerkschaft ver.di unter Beschäftigten in Pflegeheimen zeigt eine extreme Hitzebelastung in den Einrichtungen. In der Spitze wurden demnach Temperaturen bis zu 45 Grad gemessen.
15.08.2026
epd
Von Franziska Hein (epd)

Berlin (epd). In vielen Pflegeheimen sind die Temperaturen laut der Gewerkschaft ver.di zuletzt auf äußerst hohe Werte gestiegen. Eine Befragung der Gewerkschaft unter 321 Pflegekräften und anderen Angestellten von Pflegeeinrichtungen habe ergeben, dass es in manchen Heimen in der Spitze sogar bis zu 45 Grad Celsius heiß geworden sei, teilte die Gewerkschaft am Samstag mit. Zuerst hatte die Funke Mediengruppe (Samstag) berichtet. Die Medianwerte lagen demnach nachts bei 26 Grad, frühmorgens bei 25 Grad und über den Tag bei 28 bis 30 Grad Celsius.

Die Gewerkschaft hatte die Teilnehmenden gebeten, im Zeitraum vom 30. Juli bis 10. August regelmäßig die Temperatur in ihren Einrichtungen zu erfassen. 801 Messungen seien zustande gekommen.

Laut Arbeitsschutzgesetz müssen ab 30 Grad Celsius Raumtemperatur wirksame Gegenmaßnahmen ergriffen werden, ab 35 Grad ist ein Raum grundsätzlich als Arbeitsraum nicht mehr geeignet. Dem Bericht zufolge haben 40,9 Prozent der Beschäftigten, die Temperaturen erfasst haben, mindestens einen Wert über 30 Grad gemeldet, 12,8 Prozent mindestens einen über 35 Grad.

Alleinarbeit und Unterbesetzung

Für die Bewohnerinnen und Bewohner der Einrichtungen haben diese Temperaturen demnach schwerwiegende Folgen. In der Befragung hätten 11 Prozent der Beschäftigten von Kreislaufzusammenbrüchen bei Bewohnern, 10 Prozent von Fällen von Dehydrierung und 9 Prozent von Todesfällen berichtet, die mutmaßlich im Zusammenhang mit der Hitze stehen.

Mitarbeitende konnten auch inhaltliche Angaben machen. Fast jede dritte inhaltliche Antwort enthielt demnach Hinweise auf Alleinarbeit, vor allem im Nachtdienst. Eine Pflegekraft gab, sie habe im Spätdienst im Obergeschoss ihrer Einrichtung bei über 30 Grad Celsius arbeiten müssen, was für sie viel Stress und wenig Zeit für ausreichendes Trinken und Pause bedeutet habe. Auch Unterbesetzung waren Thema: „Die Schicht war mit 5 Leuten für 40 Bewohner in der Frühschicht besetzt. Das bedeutet dauerhafte Alleinarbeit und das Betreuen mehrerer Bewohner gleichzeitig und bei fast 30 Grad Innentemperatur unter extremer Belastung. Viele leichte Dehydration“, heißt es in einer weiteren Schilderung.

„Zum Teil erschreckende Zustände“

Ver.di-Vorstandsmitglied Sylvia Bühler sagte den Funke-Zeitungen: „Die Aussagen der Beschäftigten zeigen zum Teil erschreckende Zustände.“ Temperaturen von bis zu 45 Grad in einigen Pflegeheimen seien für Beschäftigte unerträglich und könnten für Bewohnerinnen und Bewohner lebensgefährlich sein.

Bund und Länder müssten deshalb dringend ein Sofortprogramm für Hitzeschutz und energetische Sanierung von Pflegeeinrichtungen auflegen, forderte Bühler. „Eine angemessene staatliche Finanzierung von Investitionen würde zudem die hohen Eigenbeiträge senken, die viele Bewohnerinnen und Bewohner überfordern.“