Rat der Kirche zum Dienst an der Waffe stärker gefragt

Rat der Kirche zum Dienst an der Waffe stärker gefragt
Der neue Wehrdienst und die Wehrerfassung aller 18-Jährigen lässt die Nachfrage nach Beratungen steigen. Die Kirchen reagieren.

Frankfurt a.M. (epd). Der Start des neuen Wehrdienstes bringt junge Menschen vermehrt dazu, kirchliche Beratungsangebote zum Dienst an der Waffe und einer Kriegsdienstverweigerung wahrzunehmen. Fast alle der 20 evangelischen Landeskirchen berichten von einer steigenden Nachfrage im laufenden Jahr und einem Ausbau des Angebots. Einige Landeskirchen weisen 18-Jährige per Postkarte auf Informationen und Beratungsmöglichkeiten hin, bei anderen ist das in Planung, wie eine Umfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) ergab.

Wie stark die Nachfrage nach den kirchlichen Beratungen insgesamt zugenommen hat, können nur wenige Landeskirchen beziffern. Die Evangelisch-lutherische Kirche in Bayern geht für das bisherige Jahr annähernd von einer Verdreifachung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aus.

Katholischerseits hat die Organisation pax christi Ende vergangenen Jahres bundesweit neue Beratungsstrukturen aufgebaut. Das Interesse nehme besonders dann zu, wenn das Thema Wehrdienst und Kriegsdienstverweigerung verstärkt in den Medien präsent sei, hieß es. Als Gründe gäben Ratsuchende vor allem die als gestiegen wahrgenommene Kriegsgefahr seit dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 sowie die Debatte über die deutsche Verteidigungsfähigkeit an.

Beratung erfolgt ergebnisoffen

Die Kirchen betonen, die jungen Menschen ergebnisoffen zu beraten. „In der Praxis wenden sich jedoch fast ausschließlich Menschen an pax christi, die sich bereits für eine Kriegsdienstverweigerung entschieden haben und Unterstützung beim Antragsverfahren suchen“, sagte eine Sprecherin der ökumenischen Friedensbewegung in der katholischen Kirche.

Die Zahl der Anträge auf Kriegsdienstverweigerung hat sich seit dem Start der Wehrerfassung für alle 18-Jährigen zu Jahresbeginn deutlich erhöht. Bis zum 31. Juli gingen im laufenden Jahr 8.302 Anträge beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben ein. Das waren mehr als doppelt so viele wie im gesamten vergangenen Jahr, als es 3.879 Anträge gab.