65 Jahre Mauerbau: Berlin würdigt Opfer der Teilung

65 Jahre Mauerbau: Berlin würdigt Opfer der Teilung
Mindestens 140 Menschen starben bei dem Versuch, die Berliner Mauer zu überwinden. Zum 65. Jahrestag der Abriegelung wurde in der Hauptstadt der Opfer gedacht.
13.08.2026
epd
Von Joris Ufer (epd)

Berlin (epd). An den Mauerbau vom 13. August 1961 haben in Berlin Vertreter aus Politik, Gesellschaft und Kultur erinnert. Rund 120 Gäste nahmen am Donnerstag an einer Gedenkfeier in der Kapelle der Versöhnung teil, darunter Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (beide CDU) und Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos). Im Anschluss würdigten sie am Mauer-Denkmal in der Bernauer Straße mit Kränzen die Opfer der Grenze und der SED-Herrschaft.

Nach einer Andacht in der Kapelle der Versöhnung erinnerte Klöckner an die Mauertoten. Sie berichtete etwa von Günter Litfin, der als erstes Opfer des Schießbefehls gilt. „Die Mauer teilte nicht nur die Bernauer Straße, nicht nur Berlin. Sie teilte Deutschland, Europa. Und sie teilte die Welt“, sagte die Bundestagspräsidentin. Die frühere Grenze sei heute fast unsichtbar, habe aber Spuren hinterlassen. Auch die Wiedervereinigung habe viele desillusionert. „Im Westen begann die Demokratie mit dem Wirtschaftswunder, im Osten mit Massenarbeitslosigkeit“, sagte Klöckner. Sie rief dazu auf, dass die Menschen in Deutschland einander zuhören sollten.

SED-Herrschaft nicht verharmlosen

Berlins Regierender Bürgermeister Wegner hob den Wert von Freiheit und Demokratie hervor. In Zeiten, in denen diese angegriffen würden, „von innen wie von außen, müssen wir alles dran setzen, unsere Freiheit und unsere Demokratie zu schützen.“ Er dankte Zeitzeuginnen und Zeitzeugen dafür, sich immer wieder der eigenen Geschichte zu stellen, um aufzuklären.

Anlässlich des Jahrestags erklärte Kulturstaatsminister Weimer, dass die DDR heute von links wie rechts verharmlost werde. „Doch das SED-Regime war eine brutale Diktatur ohne freie Wahlen, ohne Pressefreiheit, ohne Reisefreiheit, dafür aber mit Stasi, Folterkellern und Todesstreifen an der Mauer“, erklärte er.

Zeitzeugengespräch in der Kapelle der Versöhnung

Die Veranstaltung in der Kapelle der Versöhnung war geladenen Gästen vorbehalten, wurde aber live auf dem Vorplatz übertragen. Im Gespräch mit dem Direktor der Stiftung Berliner Mauer, Axel Klausmeier, berichtete der Zeitzeuge Jörg Hildebrandt, wie er den 13. August vor 65 Jahren erlebte. „Wir haben es nicht wahrhaben wollen, auch an den Tagen danach nicht, dass hier wirklich für Jahrzehnte eine Grenze gezogen wird“, sagte der Sohn von Helmut Hildebrandt (1908-2002), der bis 1961 Pfarrer der Versöhnungskirche war. Da diese im Grenzbereich lag, wurde sie damals zugemauert und später zerstört. An ihrer Stelle steht heute die Kapelle der Versöhnung.

„Schmerzhafte Erfahrungen“ auch danach

Die SED-Opferbeauftragte Evelyn Zupke sagte der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ (Donnerstag), auch die Zeit nach der deutschen Vereinigung sei für einige ehemalige DDR-Bürger von „schmerzhaften Erfahrungen“ überlagert worden. Diesen Erfahrungen sei oft nicht genug Raum gegeben worden.

Bei einer Gedenkfeier des Landes Brandenburg in Großziethen am südlichen Berliner Stadtrand wollte am Nachmittag auch Landesinnenminister Jan Redmann (CDU) mit einer Rede an die deutsche Teilung erinnern. An der ab 13. August 1961 gebauten Berliner Mauer wurden mindestens 140 Menschen bei Fluchtversuchen getötet.