Düsseldorf (epd). Zum 65. Jahrestags des Mauerbaus hat die SED-Opferbeauftragte des Bundestags, Evelyn Zupke, vor einer zunehmenden Verklärung der DDR gewarnt. „Einigen erscheint die DDR zunehmend schöner, je länger sie zurückliegt“, sagte sie der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ (Donnerstag). Dabei werde ausgeblendet, wie das Leben in der DDR tatsächlich gewesen sei. „Menschen, die Widerspruch geäußert oder sich nicht angepasst haben, haben schwer unter der Diktatur gelitten.“ Bei den Opfern wirkten diese Erfahrungen bis heute nach.
Die einstige DDR-Bürgerrechtlerin erinnerte daran, dass die Zeit nach der Wiedervereinigung für einige ehemalige DDR-Bürger von „schmerzhaften Erfahrungen“ überlagert worden sei. Diesen Erfahrungen sei oft nicht genug Raum gegeben worden. Vieles davon werde bis heute über Generationen weitergegeben. „Wenn dann kein Korrektiv dazukommt - etwa durch Schule oder Begegnungen mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen - bleibt oft nur eine einseitige und nostalgische Erzählung hängen, während die Realität der Diktatur verschwimmt.“
Unterstützung für als „asozial“ Verfolgte angemahnt
Zupke forderte mehr Beachtung für Gruppen, „die bislang nur wenig Aufmerksamkeit erhalten und die mehr Unterstützung bekommen sollten“. Dazu zählten Menschen, die in der DDR über den sogenannten Asozialen-Paragrafen verfolgt wurden, sowie Frauen und Mädchen, die unter dem Vorwand gynäkologischer Behandlungen weggesperrt und misshandelt wurden.
Die Opferbeauftragte sieht auch Unternehmen in der Pflicht, die von der Zwangsarbeit politischer Gefangener in der DDR profitierten. Opfer erzählten von gesundheitsgefährdenden Tätigkeiten unter unmenschlichen Bedingungen. Mit dem im Januar 2025 verabschiedeten Gesetzespaket sei auch ein bundesweiter Härtefallfonds eingerichtet worden. Mittlerweile seien über 300 Menschen unterstützt worden.



