Berlin (epd). Berlin will mit einem umfangreichen Gedenkprogramm an den Mauerbau vor 65 Jahren erinnern. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) eröffneten am Mittwoch vor dem Brandenburger Tor eine Installation und eine Foto-Ausstellung, die an die einstigen Grenzanlagen und die deutsche Teilung erinnern sollen. Der Direktor der Stiftung Berliner Mauer, Axel Klausmeier, sagte: „Wir haben die Ausstellung an diesen im Grunde zentralsten Ort der Stadt geholt, um sie einem möglichst breiten Publikum zugänglich zu machen.“ Vom 13. bis 16. August haben die Stiftung und die landeseigene Berliner Gesellschaft Kulturprojekte zahlreiche Führungen, Konzerte und Gedenkveranstaltungen geplant.
Die rund drei Meter hohe und 30 Meter lange Installation des Künstlers Hubertus Hamm auf dem Platz des 18. März soll an die einstigen Grenzanlagen erinnern und ist bis Montag zu sehen. Je nach Perspektive wirkt die Wand aus Aluminium lichtundurchlässig oder transparent. Wegner sprach von der Mauer als schreckliche Zäsur für Berlin, Europa und die Welt. „Denn an dieser Stelle hier, wo wir stehen, wurde nicht nur Berlin geteilt“, sagte er.
Der Regierende Bürgermeister würdigte auch die anwesende Zeitzeugin Renate Werwigk-Schneider. Diese geriet nach gescheiterten Fluchtversuchen aus der DDR in Haft und wurde von der Bundesrepublik freigekauft. Wegner mahnte, Konsequenzen aus der Geschichte zu ziehen: „Es ist unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass diese Freiheit und diese Demokratie weiter geschützt werden und dazu gehören solche Anlässe.“
Verbindung der Gedenkorte
Kulturstaatsminister Weimer erinnerte daran, nicht nur die Opfer der Mauer zu würdigen, sondern auch die des SED-Regimes allgemein. „Es gab keine Meinungsfreiheit, keine Pressefreiheit, keine freien Wahlen. Dafür gab es die Stasi, es gab Hohenschönhausen, es gab den Todesstreifen“, sagte er. Ferner warnte Weimer vor einer Verharmlosung der DDR-Geschichte.
Mit der Installation wurde am Brandenburger Tor auch die Ausstellung „Mauerblicke. Berlin 1961-1990“ eröffnet. Sie zeigt historische Fotografien des Lebens im geteilten Berlin und des Mauerbaus. Plakate entlang der S-Bahn-Linien S1, S2, S25 und S26 sollen zudem das Programm am Platz des 18. März mit der Mauer-Gedenkstätte in der Bernauer Straße verbinden. An dieser Strecke lagen bis zur Wiedervereinigung sogenannte Geisterbahnhöfe.
140 Mauer-Todesopfer
Das weitere Gedenkprogramm in und um Berlin beginnt am Donnerstagvormittag mit einer zentralen Gedenkveranstaltung in der Bernauer Straße. Bei einer Gedenkfeier des Landes Brandenburg in Großziethen am südlichen Berliner Stadtrand soll am gleichen Tag Landesinnenminister Jan Redmann (CDU) mit einer Rede an die deutsche Teilung erinnern.
An der Gedenkstätte Berliner Mauer sowie am Brandenburger Tor werden in den nächsten Tagen auch mehrmals Namen und Biografien von 140 Todesopfern der Mauer verlesen. Daneben sind etwa Führungen und Gespräche mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sowie Konzerte geplant. Der Verein Berliner Unterwelten gibt bei Führungen Einblick in einen historischen Fluchttunnel.



