Berlin (epd). Gegen den möglichen Abriss eines historischen NS-Bunkers in Berlin-Mitte regt sich Protest. Der Verein Berliner Unterwelten hat am Dienstag ein Konzept vorgelegt, um die Reste der Schutzräume der Neuen Reichskanzlei als „Informations- und Dokumentationsstätte zum Niedergang des NS-Regimes und den letzten Kriegstagen in Berlin“ zu erhalten. Auf dem Gelände in der Voßstraße 13 bis 15 ist der Bau eines Wohn- und eines Bürogebäudes geplant. Dafür soll die Bunker-Anlage laut dem Verein größtenteils entfernt werden.
Dem Konzept der Berliner Unterwelten nach könnten die historischen Bunkerreste mit den geplanten Gebäuden überbaut und trotzdem für Bildungszwecke zugänglich gemacht werden. Die Anlage verfüge über Wände und Decken von 1,70 Meter Dicke, erklärte Dietmar Arnold, Vereinsvorstand der Berliner Unterwelten, am Dienstag in Berlin. „Da kann man einen Neubau draufsetzen, ohne Probleme“, sagte er. Voraussetzung für den Erhalt wäre aus Sicht des Vereins „lediglich eine Anpassung des Bebauungsplans aus dem Jahr 2006“, wie es in einer Mitteilung heißt.
Verein will Umbau zum Ausstellungsraum selbst finanzieren
Der Verein bietet an, die Kosten für den Um- und Ausbau zum Ausstellungsort selbst zu übernehmen. Auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) verwies die Senatsbauverwaltung jedoch auf vertragliche Verpflichtungen des Landes Berlin zur Baufeldfreimachung durch die Eigentümerin und zu einer Bebauung gemäß den bisherigen Plänen. 2025 habe ein städtebauliches Workshopverfahren stattgefunden, aus welchem ein Vertrauensschutz entstehe. Laut Senatsbauverwaltung hat sich die Eigentümerin jedoch verpflichtet, „vor Abriss des Bunkers diesen entsprechend zu dokumentieren“.
Sorge vor möglichem „Wallfahrtsort“
Berlins Bausenator Christian Gaebler (SPD) hatte gegenüber der „B.Z.“ argumentiert, er wolle dem Neubau von Wohnungen nicht für einen Bunker im Wege stehen, der womöglich noch zum „Wallfahrtsort“ würde. Diese Sorge teilt der Verein Berliner Unterwelten nicht. Entscheidend seien historische Einordnung und Vermittlung.
Vereinsvorstand Arnold verwies zudem auf eine Empfehlung des Landesdenkmalrats Berlin von März 2025. Demnach sieht das Gremium „einen möglichen Abbruch der baulichen Reste des Großen Bunkers unter der Neuen Reichskanzlei kritisch“. Der Rat sprach sich in dem Dokument dafür aus, eine Eintragung in die Denkmalliste zu prüfen. Bei Untersuchungen im Jahr 2007 sei die Anlage in gutem Zustand gewesen, obwohl Grundwasser eingedrungen sei.
Über 1.200 Quadratmeter erhalten
Von 1871 bis 1945 befand sich in der Wilhelmstraße das Regierungsviertel des Deutschen Reiches. 1938 ließ Hitler in der benachbarten Voßstraße die Neue Reichskanzlei errichten. Darunter befand sich der Große Bunker, von dem laut Angaben von Berliner Unterwelten noch über 1.200 Quadratmeter erhalten sind. Dieser ist nicht mit dem sogenannten „Führerbunker“ gleichzusetzen.
Laut Angaben des Vereins wurden die anderen Teile des Großen Bunkers zu DDR-Zeiten abgerissen. Der verbliebene Abschnitt sei verschont worden, da er unter den Sperranlagen der Mauer lag. Berühmt wurde der Bunker durch ein nachgestelltes Foto von Helmuth Weidling, auf dem er als letzter deutscher Kommandant Berlins herauskommt und sich der Roten Armee ergibt.



