DGB-Vize kritisiert Mindestlohnbetrug als "Lohnraub"

DGB-Vize kritisiert Mindestlohnbetrug als "Lohnraub"
DGB-Vize Stefan Körzell kritisiert den von seinem Gewerkschaftsbund aufgedeckten Mindestlohnbetrug scharf. Er fordert "drakonische Strafen" gegen betrügerische Arbeitgeber.

Köln (epd). Der Vizechef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Stefan Körzell, kritisiert Arbeitgeber, die beim Mindestlohn betrügen, scharf. Mit Blick auf eine Analyse seines Gewerkschaftsbundes, wonach seit Einführung des Mindestlohns 2015 Beschäftigte um einen zweistelligen Millionen-Betrag gebracht wurden, sprach Körzell am Dienstag im Deutschlandfunk von „Lohnraub, wo 64 Milliarden Euro in den Taschen der Arbeitgeber bleiben“.

Für seine Analyse nutzte der DGB Daten des Sozio-ökonomischen Panels. Für diese Langzeitstudie werden jedes Jahr etwa 30.000 Menschen befragt, unter anderem zur Berufstätigkeit und zur Einkommenssituation. Demnach bekamen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die eigentlich den Mindestlohn erhalten müssten, von 2015 bis 2024 rund 35 Milliarden Euro netto zu wenig. Den Sozialversicherungen sollen durch die zu geringen Löhne etwa 22 Milliarden Euro entgangen sein, dem Staat fehlten ungefähr 7 Milliarden Euro an Einkommensteuer.

Eher Lottogewinn als Kontrolle auf Schwarzarbeit

Körzell kritisierte, betroffen seien vor allem Beschäftigte, „die jeden Cent umdrehen müssen, den sie verdienen“. Dass ausgerechnet diese Gruppe noch betrogen werde, sei „nicht in Ordnung“. Der DGB-Vize verlangte „drakonische Strafen“ für betrügerische Unternehmen. Das Risiko, entdeckt zu werden, stellte Körzell als gering dar: Statistisch werde jedes Unternehmen alle 140 Jahre einmal auf Schwarzarbeit kontrolliert. „Dann hat man eher im Lotto gewonnen, als wenn man erwischt wird, dass man beim Mindestlohn betrügt.“

Der Mindestlohn beträgt aktuell 13,90 Euro. Körzell erklärte, laut dem Sozio-ökonomischen Panel hätten betrügerische Arbeitgeber diesen Stundenlohn um 1,70 bis 2,40 Euro unterboten.