Trauerfeier für früheren sächsischen Landesbischof Bohl

Trauerfeier für früheren sächsischen Landesbischof Bohl
Der Ende Juli gestorbene Theologe Jochen Bohl stand von 2004 bis 2015 an der Spitze der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. Bei der Trauerfeier würdigte der amtierende Bischof Bilz dessen Wirken für Kirche und Gesellschaft.
10.08.2026
epd
Von Katharina Rögner (epd)

Dresden (epd). Mit einem Trauergottesdienst in der Dresdner Kreuzkirche haben Familie, Freunde und Weggefährten Abschied vom ehemaligen sächsischen Landesbischof Jochen Bohl genommen. Der Theologe war am 29. Juli in Radebeul bei Dresden im Alter von 76 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben. Der Bischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Tobias Bilz, sagte bei den Trauerfeierlichkeiten am Montag: „Bohl hat etwas gewollt, er hatte die Kraft dazu, er wollte das Rechte tun und ist mit Widerständen umgegangen.“

„Innere Überzeugungen waren ihm wesentlicher als die äußeren Umstände“, sagte Bilz. Sein Vermächtnis sei, „kraftvoll einen Beitrag zu leisten für den Zusammenhalt“ und nicht aufzugeben. Dies sei „nötiger denn je“.

Prägender Theologe

Der frühere sächsische Oberlandeskirchenrat Martin Lerchner sagte in seiner Predigt: „In Trauer und Dankbarkeit nehmen wir Abschied.“ Jochen Bohl selbst habe dankbar auf sein Leben zurückgeblickt. Der Theologe habe viele Menschen nachdrücklich geprägt.

An der Trauerfeier nahmen unter anderem auch der Vizepräsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Stephan Schaede, der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), der hannoversche Landesbischof Ralf Meister und Sachsens Kultusminister Conrad Clemens (CDU) teil. Bohl stand von 2004 bis 2015 an der Spitze der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. Daneben war er von 2010 bis 2015 auch stellvertretender Vorsitzender des Rates der EKD und von 2007 bis 2009 stellvertretender Leitender Bischof der VELKD.

Kluger Stratege

Der 1950 in Lüdenscheid in Nordrhein-Westfalen geborene Bohl galt als kluger Stratege und gut vernetzter, hoch engagierter Theologe. Höhepunkte seiner Amtszeit als Bischof waren 2005 die Wiedereinweihung der Dresdner Frauenkirche sowie 2011 der 33. Deutsche Evangelische Kirchentag in Dresden.

Zum Gedenken an den Theologen läuteten zu Beginn des Trauergottesdienstes Glocken in der Dresdner Kreuzkirche und im Meißener Dom. Damit wurde auch an Bohl als ehemaligen Stiftsherrn des Hochstifts Meißen erinnert. Die Beisetzung sollte im engeren Familienkreis erfolgen.

Bohl meldete sich regelmäßig zu gesellschaftlichen, ethischen und politischen Debatten zu Wort. Bei einem seiner letzten öffentlichen Auftritte hatte er 2025 anlässlich seines 75. Geburtstages in der Dresdner Frauenkirche dazu aufgerufen, in einer Welt voller Krisen und Kriege offen zu sein für Lösungen, für Unverhofftes und Unabsehbares.

Studiert hatte Bohl von 1968 bis 1974 evangelische Theologie in Wuppertal, Marburg und Bochum. Nach dem theologischen Examen war er als Pfarrer in Aplerbeck im Kirchenkreis Dortmund-Süd tätig. Bevor er nach Sachsen kam, leitete er neun Jahre lang das Evangelische Jugendwerk an der Saar. In Sachsen war er von 1995 bis 2004 Direktor der Diakonie.