Berlin (epd). In der Debatte um die Möglichkeit einer früheren Rente nach einem besonders langen Arbeitsleben hat der neue Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Thorsten Frei (CDU), eine abschlagsfreie „soziale Schutzrente“ als Kompromiss in den Raum gestellt. Studien zeigten, dass die als „Rente mit 63“ eingeführte frühere Alterssicherung vor allen Dingen Männer sowie Ältere, die wohlhabender und gesünder sind, in Anspruch nehmen, sagte Frei im am Freitag veröffentlichten „Interview der Woche“ der ARD.
Menschen, die auf das Geld aus der Erwerbsarbeit angewiesen seien, würden im Zweifel nicht früher in Rente gehen. Eine frühere Verrentung würden „hauptsächlich diejenigen anstreben, die sich das auch wirtschaftlich leisten können“, sagte Frei. Für diejenigen, die wegen körperlicher oder psychischer Beeinträchtigungen nicht mehr in einem extrem anstrengenden Beruf arbeiten könnten, wolle man ein Instrumentarium schaffen, „eine soziale Schutzrente, die es gerade für diesen Personenkreis ermöglicht, durchaus auch abschlagsfrei früher in Rente zu gehen“, sagte Frei.
Frei: Kein großer Unterschied zwischen Ost und West
Die von der Bundesregierung eingesetzte Rentenkommission hat für ein Ende der sogenannten „Rente mit 63“ plädiert, die es ermöglicht, früher abschlagsfrei in Rente zu gehen, wenn jemand 45 Jahre lang durch seine Arbeit in die Rentenkasse eingezahlt hat. Die Altersgrenze lag nur zu Beginn bei 63 Jahren. Sie bewegt sich ebenso wie das reguläre Renteneintrittsalter nach oben. Die CDU-Ministerpräsidenten Sven Schulze aus Sachsen-Anhalt, Michael Kretschmer aus Sachsen und Mario Voigt aus Thüringen hatten kürzlich gefordert, die Möglichkeit nicht abzuschaffen, und dabei auf die besonderen Berufsbiografien in Ostdeutschland hingewiesen.
Frei sagte, er sehe „keinen großen Unterschied“ zu den westdeutschen Bundesländern; jedenfalls sei er nicht signifikant. Zahlen der Rentenversicherung zufolge nutzten 2025 im Osten 32,8 Prozent der Neurentnerinnen und -rentner die Möglichkeit der abschlagsfreien früheren Rente nach 45 Beitragsjahren, im Westen 28 Prozent.



