Düsseldorf (epd). In Deutschland ist die Zahl der tödlichen Badeunfälle gestiegen. Bis Ende Juli dieses Jahres seien mindestens 261 Menschen ertrunken. Vor allem seit Beginn der Badesaison hätten sich deutlich mehr tödliche Unfälle ereignet als im Vorjahr, erklärte die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) am Donnerstag in Düsseldorf. „Insbesondere im Juni kam es zu einem dramatischen Anstieg an Unfällen“, sagte DLRG-Präsidentin Ute Vogt. 101 Menschen starben in dem Monat, eine ähnlich hohe Zahl habe es zuletzt im Juni 2003 gegeben.
Vogt sprach bei der Vorstellung der Zwischenbilanz des DLRG von einem „traurigen Rekord“. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres seien 15 Menschen mehr gestorben als im Vorjahreszeitraum. Betroffen seien vor allem junge Menschen von 11 bis 30 Jahren: In den ersten sieben Monaten 2026 seien 75 Menschen in dieser Altersgruppe ertrunken (2025: 49). Bei 85 Prozent aller Todesopfer handele es sich um Männer oder Jungen.
Großteil der Todesfälle in Seen, Flüssen und Kanälen
Rund 90 Prozent der Todesfälle gab es laut DLRG in Binnengewässern. So hätten in Seen und Teichen 118 Menschen ihr Leben verloren, 90 Todesfälle seien in Bächen und Flüssen passiert und 17 in Kanälen. In der Ostsee kamen 14 Menschen ums Leben. In Schwimmbädern starben ebenfalls 14 Menschen bei Badeunfällen.
In absoluten Zahlen betrachtet ertranken die meisten Menschen bislang in Bayern. 54 Todesfälle dort seien drei mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Einen Anstieg von 35 auf 50 Todesopfer verzeichnete die DLRG für Nordrhein-Westfalen. Der Präsident des Landesverbands Nordrhein, Stefan Albrecht, riet dazu, „nur dort schwimmen zu gehen, wo es auch eine Badeaufsicht gibt“.
Schwimmende überschätzen oft ihre eigenen Fähigkeiten
Zu den Badeunfällen komme es meist, weil die Schwimmenden ihre „eigenen Fähigkeiten überschätzen und die Gefahren des Wassers unterschätzen“, mahnte Vogt. Sicher schwimmen zu können, sei die beste Vorbeugung gegen das Ertrinken. Mit dem Modellprojekt „Deutschland lernt schwimmen“ wolle der Bund gemeinsam mit der DLRG und dem Deutschen Schwimm-Verband die Situation in der Schwimmausbildung verbessern.
Unter Kindern bis zehn Jahren sind in diesem Jahr laut DLRG bislang mindestens acht Todesopfer zu beklagen (2025: 9). Vogt kritisierte, dass zu wenige Kinder Schwimmen lernten: „Wir gehen davon aus, dass weiterhin die Mehrheit der Kinder die Grundschule verlässt, ohne ein Schwimmabzeichen abgelegt zu haben.“
DLRG-Präsidentin: Schwimmen ist eine Kulturtechnik
Notwendig sei, dass Bund, Länder und Kommunen flächendeckend mehr Geld in die marode Schwimmbadlandschaft und den schulischen Schwimmunterricht investierten. Schwimmen sei „eine Kulturtechnik wie Lesen, Schreiben, Rechnen“, betonte die DLRG-Präsidentin. Schwimmunterricht falle oft aus, weil viele Schulen „kein Schwimmbad in erreichbarer Nähe haben“.
Angesichts der hohen Zahl von tödlichen Badeunfällen fordert der Bundesverband Deutscher Schwimmmeister Eltern auf, sich mehr um die Schwimmfähigkeit ihrer Kinder zu kümmern. Verbandspräsident Peter Harzheim beklagte in der „Rheinischen Post“ (Donnerstag) zudem einen Personalmangel in vielen Bädern. „Uns fehlen mehr als 3.000 Bademeister“, erklärte er. Deshalb müssten die Öffnungszeiten in Schwimmbädern verkürzt werden. „Darunter leidet wiederum die Schwimmfähigkeit junger Menschen“, monierte er.



