Psychologin: Kinder in der Phase des Schulwechsels sanft begleiten

Psychologin: Kinder in der Phase des Schulwechsels sanft begleiten
Der Wechsel einer Schule ist für Kinder und Jugendliche ein einschneidendes Erlebnis. Schulpsychologin Gertrud Plasse rät Eltern, ihre Schützlinge aufmerksam zu begleiten und zu unterstützen.
06.08.2026
epd
epd-Gespräch: Björn Schlüter

Hannover (epd). Eltern sollten bei einem Schulwechsel nach Ansicht der Schulpsychologin Gertrud Plasse die Emotionen ihrer Kinder ernst nehmen und sie nicht mit zu hohen Erwartungen belasten. „Ein Wechsel von einer Schule zu einer anderen kann eine kritische Situation im Leben von Kindern und Jugendlichen sein“, sagte die Leiterin des Dezernates „Schulpsychologie“ im Regionalen Landesamt für Schule und Bildung in Hannover im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Übergänge nach der vierten Klasse oder einem Umzug seien für Kinder viel leichter zu nehmen als ein Wechsel, wenn sie es auf einer schwierigeren Schulform nicht geschafft haben, betonte die Expertin. „Hier sollten die Eltern sich Zeit für ein Gespräch nehmen und ihren Kindern mitteilen, was sie dabei für Gedanken haben und welche Argumente zu der Entscheidung geführt haben.“ Eltern sollten dem Kind aufzeigen, dass es bestimmt leichter werde auf der neuen Schule und auch die Möglichkeiten benennen, die sich daraus ergeben können, wenn es gut läuft.

Freundschaften helfen

Auch das soziale Umfeld des Kindes sei nicht zu unterschätzen, betonte Plasse. „Sicher ist es schön, wenn man zumindest einen Freund 'mitnimmt', das ist aber nicht immer gegeben. Hier hilft es, wenn die Eltern zuversichtlich sind und darauf vertrauen, dass neue Freunde gefunden werden.“ Die Erwachsenen sollten zudem die Wünsche der Kinder ernst nehmen. „Wenn das Kind gern eine Schule besuchen möchte, weil dort die Freunde sind, obwohl die Eltern sich vielleicht eher die andere Schule gewünscht hätten, ist das schon ein wichtiges Argument für das Kind.“

Keinesfalls sollte der Schulwechsel mit Leistungsdruck unnötig aufgeladen werden. „Den Ernst des Lebens heraufzubeschwören, ist unnötig“, sagte Plasse. Der Neubeginn auf der weiterführenden Schule sei wieder ein Meilenstein, „und es ist wichtig, dass die Eltern hier auch an der Eröffnungsfeier teilnehmen“. Oft sei viel zu organisieren und den Kindern helfe es, wenn Eltern sich so gut informierten, dass das Kind am ersten Schultag mit Neugier und den richtigen Sachen im Ranzen einigermaßen sicher in seine neue Umgebung gehen könne.

Geduld, Ruhe und Zeit für Familienrituale

Entscheidend sei, den Anfang an einer neuen Schule als Phase und nicht als einmaliges Ereignis wahrzunehmen. Eltern müssten in der ersten Zeit aufmerksam sein und ihr Kind sanft begleiten. „Ich empfehle eine gemeinsame Mahlzeit am Tag, bei der alle Familienmitglieder erzählen dürfen, wie der Tag war und was es Besonderes gegeben hat“, sagte Plasse. „So bekommt man schon mal das Wichtigste mit.“

Auch organisatorisch sei anfangs besondere Aufmerksamkeit gefragt. „Wie funktionieren Krankmeldungen, wann sind Elternabende, welche Materialien fehlen noch? Diese Fragen sind am Anfang des Schuljahres anstrengend, bilden für die Schülerinnen und Schüler aber eine sehr gute Rückendeckung, um klarzukommen“, so Plasse.