Kritischer Blick auf Fotodokumente deutscher Kriegsverbrechen

Kritischer Blick auf Fotodokumente deutscher Kriegsverbrechen
Foto-Aufnahmen deutscher Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg stammen oft von Tatbeteiligten. Ein neues Forschungsprojekt soll per Webanwendung eine kritische Analyse möglich machen.

Berlin (epd). Das Deutsche Historische Museum in Berlin will fotografische Belege deutscher Kriegsverbrechen in Europa während des Zweiten Weltkriegs in einem Forschungsprojekt kritisch hinterfragen. Geplant sei, dafür gemeinsam mit jungen Erwachsenen eine Webanwendung zu entwickeln, teilte das Museum am Mittwoch mit. Museumspräsident Raphael Gross betonte, Täterfotografien prägten die Wahrnehmung dieser Verbrechen bis heute. Zugleich veränderten künstliche Intelligenz und digital manipulierte Bilder den Umgang mit diesen Quellen.

Ziel ist es laut Museum, die während der deutschen Besatzung anderer Länder entstandenen Fotografien kritisch zu analysieren. Zugleich wollen die Verantwortlichen den Fotos die Perspektiven der Opfer gegenüberstellen. Das deutsch-englische Vermittlungsprojekt „Reverse Shot. Bilder deutscher Verbrechen in Europa“ soll knapp zwei Jahre laufen.

Propaganda-Fotos als Vorlage

Die Webanwendung soll die Fähigkeit fördern, Bilder kritisch zu lesen, ihre Entstehungskontexte zu hinterfragen und Leerstellen sichtbar zu machen, hieß es. Beteiligt seien Schülerinnen und Schüler oberer Klassenstufen sowie Studierende. Partner ist das Historische Seminar der Universität Leipzig.

Ausgangspunkt des Projekts sei der Bestand des Propaganda-Kompanie-Fotografen Gerhard Gronefeld in der Sammlung des Deutschen Historischen Museums. Anhand konkreter Beispiele sollen zentrale Aspekte der deutschen Besatzungsherrschaft vermittelt werden, vom Alltag bis hin zum Vernichtungskrieg und zum Völkermord.