Nürnberg (epd). Der Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit, Bernd Fitzenberger, ist für eine starke Einschränkung der Frühverrentung. Dennoch plädiere er für Ausnahmen für besonders langjährige Versicherte mit 45 Beitragsjahren, sagte der Ökonom dem Evangelischen Pressedienst (epd). Wenn diese Personen „mindestens 42 Jahre tatsächlich sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren, könnte man einen abschlagsfreien Renteneintritt frühestens zwei Jahre vor dem regulären Rentenalter weiter ermöglichen“. Im Ergebnis sei er „viel näher am Vorschlag der Alterssicherungskommission als bei der Beibehaltung der sogenannten 'Rente mit 63' wie bisher“.
Zur Frage, welche Personengruppen aktuell frühzeitig in den Ruhestand gehen, sagte der Forscher, dass viele Beschäftigte den vorgezogenen Renteneintritt mit vergleichsweise geringen Abschlägen nutzen, die oft keine 45 Beitragsjahre aufweisen. „Sicherlich sind darunter auch Personen, die es sich eher leisten können“, sagte Fitzenberger. Bei den Beschäftgten mit tatsächlich 45 Beitragsjahren seien jedoch nicht unbedingt viele Hochverdiener dabei, weil man dann sehr früh mit der Arbeit habe beginnen müssen. Das seien meist nicht die Hochverdiener.
Forderung von mindestens 42 Beitragsjahren
Nach Fitzenbergers Überlegungen wäre der vorzeitige Renteneintritt nach mindestens 42 Beitragsjahren möglich, also ab 65 Jahren im Jahr 2031. „Ebenso könnte die Grenze für den vorgezogenen Rentenzugang für langjährige Versicherte von mindestens 35 Beitragsjahren auf 40 Beitragsjahre erhöht werden, wovon mindestens 38 Jahre auf Zeiten sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung entfallen sollten“, sagte Fitzenberger.
Grundsätzlich betonte der Fachmann, der vorgezogene Renteneintritt sollte finanziell weniger attraktiv gestaltet werden als bisher. Das bedeute zwar für diejenigen, die vorzeitig in Rente gehen, faktisch eine Leistungskürzung, sie wäre allerdings weniger einschneidend als eine Erhöhung des gesetzlichen Rentenalters auf 70 Jahre. Richtig sei aber auch, dass Ostdeutsche stärker als Westdeutsche auf die Rente im Alter angewiesen seien, sagte der Forscher mit Blick auf die Forderung von mehreren Ministerpräsidenten aus Ostdeutschland, an der „Rente mit 63“ festzuhalten.



