Welthungerhilfe: Humanitäre Lage in Afghanistan "dramatisch"

Welthungerhilfe: Humanitäre Lage in Afghanistan "dramatisch"
Etwa die Hälfte der Menschen in Afghanistan ist laut der Welthungerhilfe auf humanitäre Unterstützung angewiesen. Die Organisation sieht fünf Jahre nach der Machtübernahme der Taliban eine "dramatische humanitäre Lage" in dem Land.

Bonn (epd). Fünf Jahre nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan pocht die Welthungerhilfe auf langfristige Unterstützung für die Menschen in dem Land. Während die internationale Finanzierung der humanitären Hilfe weiter zurückgehe, litten 17,4 Millionen Menschen in Afghanistan unter akutem Hunger, erklärte die Hilfsorganisation am Mittwoch in Bonn. Rund 22 Millionen Menschen seien auf Hilfe angewiesen, etwa die Hälfte der Bevölkerung. Diese „dramatische humanitäre Lage“ gerate zunehmend aus dem Blick der Öffentlichkeit.

Der Hunger sei nicht nur auf fehlende Lebensmittel zurückzuführen, erklärte Jaclyn Dolski, Programmdirektorin der Welthungerhilfe in Afghanistan. „Familien verlieren zunehmend die Möglichkeiten, ein Einkommen zu erzielen und sich selbst zu versorgen.“ Zudem wachse die Bevölkerung durch Millionen zurückkehrende Menschen rasant. Seit 2023 seien sechs Millionen Menschen aus anderen Ländern wie etwa Iran und Pakistan nach Afghanistan zurückgekommen, teils unter Zwang. Die schwache Wirtschaft biete allerdings kaum Arbeitsplätze.

Frauen und Mädchen besonders betroffen

„Diese Krisen verstärken sich gegenseitig und treiben immer mehr Familien in Armut und Hunger“, warnte Dolski. Dürren, Überschwemmungen und andere Folgen der Klimakrise verschärften die Lage zusätzlich. Besonders betroffen seien Frauen und Mädchen. Sie sind unter dem Regime der radikalislamischen Taliban, die seit Mitte August 2021 wieder an der Macht sind, weitgehend von weiterführender Bildung, vielen Berufen und großen Teilen des öffentlichen Lebens ausgeschlossen.