Auch Amöben helfen einander in Not

Auch Amöben helfen einander in Not
Amöben bilden bei Stress deutlich mehr Verbindungen untereinander. Die Entdeckung von Forschenden aus Jena könnte neue Hinweise darauf liefern, wie die Zusammenarbeit von Zellen in der Evolution entstand.

Jena (epd). Forschende aus Jena haben bei sozialen Amöben erstmals winzige Tunnelverbindungen zwischen einzelnen Zellen nachgewiesen. Über diese röhrenförmigen Membranbrücken tauschten die Einzeller Zellbestandteile aus und konnten sich bei Stress offenbar gegenseitig unterstützen, teilte die Friedrich-Schiller-Universität Jena am Freitag mit.

Bislang war bekannt, dass sich soziale Amöben vor allem über chemische Botenstoffe verständigen. Die nun entdeckten Tunnel zeigen nach Angaben der Forschenden einen zweiten, direkten Kommunikationsweg. Über die winzigen Verbindungen können die Zellen wichtige Bestandteile weitergeben und sich gegenseitig unterstützen, etwa indem sie geschwächte Zellen mit funktionsfähigem Zellmaterial versorgen.

Erste-Hilfe-System mit noch unklarer Bedeutung

Besonders auffällig war das Verhalten der Einzeller unter Stress. Als die Forschenden gezielt das innere Stützgerüst der Zellen beeinträchtigten, entstanden nicht weniger, sondern rund 25-mal mehr Tunnelverbindungen als unter normalen Bedingungen. Das deute darauf hin, dass die Röhren vor allem dann gebildet werden, wenn Zellen Unterstützung benötigen.

Nach Einschätzung des Forschungsteams könnten die Tunnel eine Art Erste-Hilfe-System sein. Welche Funktion der Austausch von Zellbestandteilen im Einzelnen erfüllt, müsse jedoch weiter untersucht werden.

Die jetzt nachgewiesenen Tunnelverbindungen könnten erklären, wie Einzeller früh lernten, direkt zusammenzuarbeiten. Solche Mechanismen gelten als Voraussetzung für die Entstehung komplexer vielzelliger Lebewesen wie Pflanzen, Tiere und Menschen.