Kirchenpräsident: Steigende Angst vor Regierungsübernahme durch AfD

Kirchenpräsident: Steigende Angst vor Regierungsübernahme durch AfD
Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt beobachtet Kirchenpräsident Wolkenhauer neben den guten Umfragewerten für die AfD auch eine steigende Angst vor der Partei. Besonders Frauen nähmen eine Verrohung wahr, wo die AfD bereits dominiere.

Freiburg (epd). Der Kirchenpräsident der anhaltischen Landeskirche, Karsten Wolkenhauer, beobachtet vor den Landtagswahlen nach eigenen Worten eine wachsende Ablehnung der AfD. Es gebe einen Teil der Bevölkerung, „der eine steigende Angst vor einer Regierungsübernahme durch die AfD hat“, sagte Wolkenhauer der Zeitschrift „Christ in der Gegenwart“. Besonders Frauen auf dem Land nähmen „eine zunehmende Verrohung der Sprache und des Verhaltens wahr in Regionen, in denen die AfD bereits dominiert“.

Die Grenze des im Alltag Sagbaren habe sich in den vergangenen drei Jahren bereits verschoben. „Das Pöbeln gegen Frauen, eine Zotenhaftigkeit und eine tatsächliche Angst auch vor körperlichen Übergriffen sind angestiegen“, sagte Wolkenhauer. Für Respekt und die Gemeinschaft vor Ort sei das „eine immense Bedrohung“.

AfD „dezidiert kirchenfeindliche Partei“

Der leitende Geistliche der kleinsten evangelischen Landeskirche kritisierte die AfD, die in ihrem Programm zur Landtagswahl am 6. September Kirchensteuern und Staatsleistungen an die Kirchen infrage stellt und die Förderung der Evangelischen Akademie im Land einstellen will. Die Partei habe sich selbst „als eine dezidiert kirchenfeindliche Partei vorgestellt“, sagte Wolkenhauer.

Der Theologe sieht in den Positionen der AfD aber auch „einige Widersprüchlichkeiten“. Es gebe eine starke Ablehnung von Institutionen, „explizit eine große Kirchenfeindlichkeit“. Gleichzeitig sehe er „ein Anspruchsdenken der AfD, allein zu wissen und für alle zu entscheiden, was richtiger Glaube, richtige Kultur, richtige Kirche, richtige Institutionen und richtige Bildung sind“.