Hannover (epd). Nach dem mutmaßlichen Datendiebstahl aus dem evangelischen Betroffenen-Netzwerk „BeNe“ haben Missbrauchsbetroffene das Sicherheitskonzept der Plattform scharf kritisiert. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) habe weder sichergestellt noch überprüft, dass der beauftragte Dienstleister die allgemein anerkannten Sicherheitsstandards („Best Practice“) eingehalten hat, erklärten am Mittwoch Jakob Feisthauer und Katharina Kracht von der bundesweiten Betroffeneninitiative „Vertuschung beenden“. Die Plattform bleibt laut EKD bis auf Weiteres offline, zudem sei inzwischen Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet worden.
Gerade bei einer Plattform für Betroffene sexualisierter Gewalt trage die Kirche eine besondere Verantwortung, kritisieren Feisthauer und Kracht. Es sei absehbar, dass dort hochsensible Informationen ausgetauscht werden. Menschen, die bereits schweres Unrecht erlebt hätten, vertrauten darauf, dass ihre persönlichen Daten und Nachrichten geschützt seien. Sicherheitslücken ließen sich zwar bei keinem System vollständig ausschließen, räumten die beiden Betroffenen ein. Gerade bei WordPress sei jedoch besondere Vorsicht nötig, „weil die weite Verbreitung das System nachweislich zu einem attraktiven Ziel für Hacker macht“.
Verständnis für Unsicherheit bei Betroffenen
„Wir bedauern sehr, dass es während der weltweit aufgetretenen Sicherheitslücke von WordPress auch zu einem Sicherheitsvorfall auf der Plattform des BetroffenenNetzwerks “BeNe„ gekommen ist“, sagte eine EKD-Sprecherin auf Anfrage dem Evangelischen Pressedienst (epd). Nach Ansicht der Fachleute sei nach gegenwärtigem Kenntnisstand bei ausreichend starken Passwörtern eine Entschlüsselung der Daten aus dem privaten Bereich technisch kaum möglich. „Wir verstehen aber die Unsicherheit bei den Betroffenen und arbeiten unter Hochdruck daran, die Erkenntnisse weiter aufzubereiten - und wo notwendig, daraus Verbesserungen anzustoßen.“
Die Plattform „BeNe“, auf der Betroffene sexualisierter Gewalt in der EKD seit 2024 Erfahrungen austauschen können, war Opfer eines kriminellen Angriffs geworden. Mutmaßlich gelang es, an Nutzerdaten heranzukommen. Die technische Prüfung des Vorfalls sei inzwischen abgeschlossen, teilte die EKD am Dienstag mit: Nach aktueller Erkenntnislage erfolgte der unbefugte Zugriff durch das Zusammenspiel und die Ausnutzung zweier vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) beschriebener WordPress-Sicherheitslücken.



