Protest gegen mögliche militärische Nutzung von Uranfabrik in Gronau

Protest gegen mögliche militärische Nutzung von Uranfabrik in Gronau
Atomkraftgegner wollen am Sonntag vor der Urananreicherungsanlage in Gronau demonstrieren. Anlass ist eine mögliche Beteiligung des Betreiberkonzerns Urenco an militärischen Vorhaben in Großbritannien.

Gronau (epd). Im Gedenken an die Opfer der Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki im August 1945 rufen Atomkraftgegner für Sonntag zu einer Demonstration in Gronau auf. Um 13 Uhr sei vor der dortigen bundesweit einzigen Urananreicherungsanlage (UAA) eine Kundgebung geplant, kündigte ein Bündnis aus acht Gruppen und Initiativen am Mittwoch an. Anlass sei zudem, dass der UAA-Betreiberkonzern Urenco künftig Uran nicht nur für zivile Zwecke anreichern, sondern sich auch an militärischen Atomprojekten in Großbritannien beteiligen könnte.

Hintergrund ist die Bestätigung der Bundesregierung, dass sie über die Pläne der britischen Regierung informiert sei, einen Kernbrennstoffkreislauf für Reaktorbrennstoff zu Verteidigungszwecken aufzubauen. Dies stehe in Einklang mit den völkerrechtlichen Vorgaben, insbesondere mit dem Nuklearen Nichtverbreitungsvertrag und dem „Vertrag von Almelo“, heißt es in einer Antwort des Bundesumweltministeriums auf eine schriftliche Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion.

Staatsvertrag von 1970 schreibt rein zivile Tätigkeit von Urenco vor

Die Anti-Atomkraft-Organisationen sehen in dem Vorhaben dagegen einen „klaren Bruch des Vertrags von Almelo“, der die Uranfabrik in Gronau allein zu zivilen Zwecken vorsehe. Udo Buchholz vom Arbeitskreis Umwelt Gronau warnte vor dem Risiko einer militärischen Nutzung. Die der Urananreicherung zugrunde liegende Zentrifugentechnologie gelte als „der einfachste Weg, um atomwaffenfähiges Uran zu gewinnen“, sagte er. Aber auch als Zulieferer für das britische Militär, zum Beispiel für den Betrieb von Atom-U-Booten, könnte Urenco in eine „militärische Spirale“ hineingezogen werden. „Wir fordern deshalb von der Bundesregierung ein Veto gegen diese britischen Pläne und die Stilllegung der Urananreicherungsanlage in Gronau“, so Buchholz.

Der international tätige Urenco-Konzern wurde 1970 mit dem „Vertrag von Almelo“ zwischen Großbritannien, Deutschland und den Niederlanden gegründet, um die Forschungen der drei Länder an der Zentrifugentechnik zusammenzubringen und kommerziell zu nutzen. Der Staatsvertrag schreibt dabei eine rein zivile Tätigkeit von Urenco vor. Die Uran-Fabrik ist vom deutschen Atomausstieg ausgenommen und hat eine unbefristete Betriebsgenehmigung.