Kassel (epd). Die kurhessische Bischöfin Beate Hofmann blickt mit Sorge auf mögliche Leistungskürzungen im Zuge der anstehenden Pflegereform. „Ich befürchte existenzielle Folgen für die Betroffenen. Im Moment höre ich große Sorgen von Eltern von Kindern mit Behinderung, weil die Unterstützung für pflegende Angehörige sinken soll“, sagte Hofmann dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Die Bischöfin, die den Aufsichtsrat des Evangelischen Werks für Diakonie und Entwicklung leitet, sieht auch Einschnitte bei niedrigen Pflegegraden kritisch. „Das wird massive Folgen haben, zum Beispiel für die Begleitung von Demenzkranken“, sagte sie. Dort gehe es weniger um körperliche Pflege, jedenfalls im Anfangsstadium. Nur wenn Angehörige unterstützt würden, könnten die zu Pflegenden noch zu Hause bleiben. Das nutze den Menschen, und es spare Kosten für eine Heimunterbringung.
„Misstrauen in die freie Wohlfahrtspflege“ vermutet
Die Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck kritisierte, dass in den Kommissionen, die die Regierung bei ihren Reformen berät, die Verbände der freien Wohlfahrt nicht vertreten sind. Dort säßen „Menschen aus der Politik und Fachleute aus der Wissenschaft, nicht aber die Träger sozialer Angebote“. „Und ich habe ein bisschen den Verdacht, dass dahinter auch ein wachsendes Misstrauen in die freie Wohlfahrtspflege steckt“, sagte Hofmann. Man wolle das lieber im kleinen Kreis unter sich entscheiden und traue den Wohlfahrtsverbänden nicht zu, ressourcenbewusste Vorschläge zu entwickeln.
Mit deutlichen Worten forderte sie mehr soziale Gerechtigkeit im deutschen Steuersystem: „Ich frage mich: Warum ist es hierzulande eigentlich kein Skandal, dass die Reichen immer reicher werden und gleichzeitig immer mehr Menschen arm? Warum regt uns das nicht auf? Warum diskutieren wir da nicht darüber?“
Den Widerstand gegen eine stärkere Besteuerung von Vermögen verstehe sie nicht. „Das löst nicht alle Probleme. Aber es wäre ein Weg, soziale Ungleichheit abzufedern“, sagte Hofmann.



