Berlin (epd). „Brot für die Welt“ hat die Bundesregierung mit Blick auf die steigende Zahl hungernder Menschen weltweit zu mehr Verlässlichkeit bei der Entwicklungszusammenarbeit aufgerufen. Verschärft durch geopolitische Krisen wie den Iran-Krieg drohe derzeit „die dritte Ernährungskrise innerhalb von sechs Jahren“, sagte die Präsidentin des evangelischen Hilfswerks, Dagmar Pruin, am Donnerstag bei der Vorstellung des Jahresberichts ihrer Organisation in Berlin. Doch anstatt krisensichere Ernährungssysteme konsequent zu fördern, sei die deutsche Entwicklungspolitik laut dem jüngsten Haushaltsentwurf von weiteren Kürzungen betroffen.
„Wenn die Bundesregierung ernsthaft daran interessiert ist, gemeinsam mit der internationalen Gemeinschaft den Hunger bis zum Jahr 2030 zu beseitigen, muss sie das Thema oben auf die Agenda setzen und darf nicht kurzsichtig kürzen“, forderte Pruin. Der im Juli vom Bundeskabinett beschlossene Haushaltsentwurf für 2027 sieht lediglich 9,469 Milliarden Euro für das Entwicklungsministerium vor, knapp 600 Millionen Euro weniger als in diesem Jahr.
Pruin: Hunger ist Folge politischer Entscheidungen
Laut aktuellen Schätzungen des UN-Welternährungsprogramms könnten allein aufgrund der andauernden Blockade der Straße von Hormus rund 45 Millionen Menschen mehr von Hunger betroffen sein. Weltweit sind es aktuellen Zahlen der Welternährungsorganisation zufolge 645 Millionen Menschen. „Hunger ist das Ergebnis politischer Entscheidungen und ungerechter Strukturen“, sagte Pruin. Damit liegen auch die Lösungen in menschlicher Hand: „Wir können es ändern. Wir müssen es ändern.“
„Brot für die Welt“ hat dem Bericht zufolge im vergangenen Jahr 72,6 Millionen Euro Spenden und Kollekten gesammelt, 2024 waren es 73,9 Millionen Euro. Hinzu kämen kirchliche und Bundesmittel. Insgesamt standen den Angaben zufolge 341,7 Millionen Euro für die Entwicklungsarbeit zur Verfügung. 2024 waren es 332 Millionen Euro. Damit unterstützte das Hilfswerk weltweit 3.000 Projekte in 77 Ländern.



