Düsseldorf (epd). Nach dem Eklat um einen AfD-Kranz am Jahrestag des gescheiterten Stauffenberg-Attentats vom 20. Juli in Berlin zeigt sich der rheinische Präses Thorsten Latzel solidarisch mit dem Großneffen des NS-Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer, Tobias Korenke. Dieser habe versucht, einen Kranz der AfD bei der Gedenkveranstaltung zum Jahrestag zu entfernen, schrieb Latzel am Dienstag auf Instagram. „Ganz ehrlich: Ich kann ihn so gut verstehen“, erklärte der oberste Repräsentant der zweitgrößten Landeskirche.
„Andenken politisch instrumentalisiert“
Es müsse fürchterlich sein, wenn eine Partei, die insgesamt als rechtsextremer Verdachtsfall und in Teilen sogar als gesichert rechtsextrem durch den Verfassungsschutz eingeordnet werde, das Andenken an Familienmitglieder politisch instrumentalisiere, schrieb Latzel. Es sei „einfach nur perfide“, sich als AfD an der Gedenkveranstaltung mit Kranzniederlegung zu beteiligen, wenn man im Gedankengut so nah an der völkischen Ideologie sei, gegen die die Widerstandskämpfer eintraten.
Seine Gedanken seien bei den Familien der bei dem Gedenktag Bedachten, „insbesondere bei der Familie Dietrich Bonhoeffers und Tobias Korenke, der öffentlich einsteht für seine Überzeugungen“, erklärte Latzel weiter.
Der Großneffe des evangelischen Theologen und NS-Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer soll bei der Gedenkveranstaltung am Montag am Berliner Bendlerblock in ein Handgemenge um den AfD-Kranz verwickelt gewesen sein. Nach Angaben der Stiftung 20. Juli 1944 wurde dabei versucht, den Kranz zu entfernen. Beteiligt gewesen seien keine AfD-Politiker, sondern Sicherheitsbeamte.
Stiftung: AfD-Kranzniederlegungen verletzen Angehörige von Widerständlern
Die jährlichen AfD-Kranzniederlegungen im Bendlerblock „verletzen viele Angehörige der Frauen und Männer des Widerstands zutiefst“, hatte die Stiftung weiter erklärt. Vieles von dem, wofür die AfD stehe, stehe im Widerspruch zu den Überzeugungen, für die die Widerständlerinnen und Widerständler gegen das NS-Regime eingetreten seien.
Am 20. Juli 1944 versuchte eine Gruppe um Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Adolf Hitler zu töten. Hitler überlebte das Attentat in der „Wolfsschanze“, der Staatsstreich misslang.



