UN: Welternährungslage bleibt angespannt

UN: Welternährungslage bleibt angespannt
Der Welternährungsbericht der Vereinten Nationen weist positive Trends aus - auch für den afrikanischen Kontinent. Die Prognosen sind allerdings auch wegen der aktuellen Weltlage pessimistisch.
21.07.2026
epd
Von Almut Siefert (epd)

Rom (epd). Der Hunger auf der Welt geht laut den Vereinten Nationen zum dritten Mal in Folge zurück. Dennoch bleibt die Lage mehr als angespannt. Im Jahr 2025 hatten nach Schätzungen 7,8 Prozent der Weltbevölkerung nicht genug zu essen, wie aus dem Welternährungsbericht hervorgeht, der am Dienstag in Rom vorgestellt wurde. 2024 lag die Schätzung noch bei 8,1 Prozent, 2022 bei 8,6 Prozent.

Im vergangenen Jahr hungerten dem Bericht zufolge weltweit zwischen 608 und 696 Millionen Menschen, 14 Millionen weniger als 2024. Das zeige, dass Fortschritte möglich seien, „aber wir müssen schneller vorankommen“, sagte der Generaldirektor der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO, Qu Dongyu. Um den Hunger zu beenden und eine gesunde Ernährung erschwinglich zu machen, seien politisches Engagement, nachhaltige Investitionen und förderliche politische Rahmenbedingungen erforderlich.

Ungleichheit, Konflikte und Fehlentscheidungen

Die jüngsten Krisen - von der COVID-19-Pandemie bis hin zum Konflikt in der Straße von Hormus - hätten die Widerstandsfähigkeit der Agrar- und Ernährungssysteme gezeigt. Aber auch die Notwendigkeit sei deutlich geworden, „diese weiter zu stärken, um den am stärksten gefährdeten Menschen, Landwirten und Verbrauchern weltweit besser helfen zu können“, sagte Qu.

Trotz des Rückgangs könne von einer Trendwende keine Rede sein, stellte „Aktion gegen Hunger“ fest. Die Menschen litten Hunger, obwohl die Welt genug Nahrung für alle produziere. „Diese Ungerechtigkeit ist die Folge von Konflikten, Ungleichheit und politischen Fehlentscheidungen“, kritisierte der Geschäftsführer der Hilfsorganisation, Jan Sebastian Friedrich-Rust.

Ursprüngliches Ziel: Hunger bis 2030 zu überwinden

Auch wenn die Zahl der Hungernden laut dem Welternährungsbericht voraussichtlich weiter sinken wird, könnten im Jahr 2030 immer noch zwischen 510 und 520 Millionen Menschen zu wenig zu essen haben, 56 Prozent davon in Afrika. Ursprüngliches Ziel der Weltgemeinschaft war es, den Hunger weltweit bis 2030 zu überwinden. „Die jüngsten Ereignisse, darunter der Nahostkonflikt von 2026, drohen durch ihre Auswirkungen auf Afrika und Asien die Fortschritte bei der Erreichung des Ziels zu untergraben“, heißt es im Bericht.

Eine stetige Verbesserung für die Bevölkerung sei in den vergangenen Jahren vor allem in Asien, Lateinamerika und in der Karibik zu verzeichnen. Auch in Afrika sei die langjährige Zunahme der Zahl der Hungernden zum Stillstand gekommen. Dennoch weist der Kontinent zum ersten Mal mit 309 Millionen die regional größte Zahl an Menschen auf, die zu wenig zu essen haben, gefolgt von Asien (292 Millionen).

Vor allem Kinder und Frauen betroffen

Der Bericht betont nicht nur die Notwendigkeit des Zuganges zu ausreichender Nahrung. Auch sollten die verzehrten Lebensmittel nährstoffreich sein, um alle Formen von Mangelernährung zu beseitigen. Vor allem bei Frauen und Kindern sei die Ernährungsvielfalt - eines der vier Grundprinzipien einer gesunden Ernährung - weltweit aber nach wie vor unzureichend. Nur 30,8 Prozent der Kinder im Alter von 6 bis 23 Monaten und 62,7 Prozent der Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren ernährten sich ausreichend abwechslungsreich. Mehr als jede dritte Frau weltweit in diesem Alter leide an Blutarmut.

Der Bericht wird von der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO zusammen mit dem Welternährungsprogramm, dem Kinderhilfswerk Unicef, der Weltgesundheitsorganisation WHO und dem Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung IFAD vorgelegt.