Caritas international: Staatliche Kürzungen treffen 436.000 Menschen

Caritas international: Staatliche Kürzungen treffen 436.000 Menschen
Hilfswerk unterstützte 70.000 Menschen nach Erdbeben in Venezuela
Das Hilfswerk Caritas international hat im vergangenen Jahr den Rückgang staatlicher Gelder deutlich gespürt. Dabei werde humanitäre Hilfe dringlicher und gefährlicher, kritisiert die Organisation.
21.07.2026
epd
Von Judith Kubitscheck (epd)

Freiburg (epd). Caritas international hat wegen des Rückgangs staatlicher Fördermittel seine Hilfe im vergangenen Jahr massiv eingeschränkt. Trotz einer anhaltend hohen privaten Spendenbereitschaft habe das Hilfswerk seine Unterstützung für 436.000 Menschen einstellen müssen, gab die katholische Organisation am Dienstag bei der Veröffentlichung seiner Jahresbilanz bekannt.

„Auf der einen Seite erleben wir eine beeindruckende Solidarität der Menschen in Deutschland“, sagte Hilfswerks-Leiter Oliver Müller. „Auf der anderen Seite kürzt der Staat seine Unterstützung ausgerechnet in einer Zeit, in der humanitäre Hilfe dringlicher und gefährlicher wird.“ Der Trend der weltweiten Kürzungen, der sich auch im Bundeshaushalt widerspiegele, sei nicht nur moralisch falsch. „Er schwächt auch Deutschlands internationale Glaubwürdigkeit, nimmt politische Einflussmöglichkeiten, macht die Welt unsicherer und schadet uns deshalb am Ende selbst“, sagte Müller.

Einschnitte bedeuten „brutale Priorisierung“

So konnten am zentralafrikanischen Tschadsee bis 2024 mit Hilfe des Entwicklungsministeriums rund 70.000 Menschen unterstützt werden, die Opfer der nigerianischen Terrorgruppe Boko Haram sind. Wegen der Hilfskürzungen könne Caritas international dort derzeit nur noch 15.000 Menschen erreichen. Solche Einschnitte bedeuteten oft eine brutale Priorisierung: „Hilfe muss von Hungernden zu Verhungernden, von den Ärmsten zu den Allerärmsten verlagert werden“, sagte Müller.

2025 erhielt Caritas international 39,9 Millionen Euro an privaten Spenden - trotz der wirtschaftlich schwierigen Lage fast gleich viel wie die 40,1 Millionen vom Vorjahr. Deutlich gesunken sind hingegen die Mittel des Auswärtigen Amts und des Entwicklungsministeriums: von 50,5 Millionen Euro auf 39,8 Millionen Euro. Insgesamt erhielt Caritas international im vergangenen Jahr 88,6 Millionen Euro für 595 Hilfsprojekte in 67 Ländern.

Völkerrecht kein Luxus für Friedenszeiten

Humanitäre Hilfe werde zunehmend selbst Teil des umkämpften Raums, sagte Müller mit Blick auf die Gefahren für Helferinnen und Helfer in Kriegen wie in der Ukraine, dem Sudan, dem Gaza-Streifen und dem Libanon. „Humanitärer Zugang muss politisch durchgesetzt werden. Wer das humanitäre Völkerrecht verletzt, muss benannt werden“, forderte er. Das Völkerrecht sei kein moralischer Luxus für friedliche Zeiten.

Ein aktueller Schwerpunkt des Hilfswerks ist die Unterstützung der Menschen in Venezuela nach dem Erdbeben vom 24. Juni. Caritas Venezuela versorge die Betroffenen mit Lebensmitteln, Trinkwasser, Hygieneartikeln und Medikamenten, sagte Eva Maria Welskop-Deffaa, Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes. Außerdem helfe sie alten und kranken Menschen und begleite traumatisierte Familien. Mehr als 70.000 Menschen konnten die 30.000 größtenteils freiwilligen Helferinnen und Helfer an 600 Standorten in Venezuela bislang erreichen, sagte sie.

Große Hilfsbereitschaft für Venezuela

Bisher habe Caritas international 4,1 Millionen Euro Spenden für Venezuela erhalten und bereits eine Million davon für Soforthilfen bereitgestellt. Die große Hilfsbereitschaft sei für sie ein klares Signal: „Solidarität und Verantwortung enden nicht an nationalen Grenzen.“ Nach derzeitigem Stand sind nach dem Erdbeben in Venezuela mehr als 4.800 Menschen ums Leben gekommen, rund 50.000 Menschen werden noch vermisst.

Caritas international ist das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes. Dieser gehört zum weltweiten Netzwerk der Caritas mit 162 nationalen Mitgliedsverbänden.