Vor 100 Jahren geboren: Theologie-Pionierin Elisabeth Moltmann-Wendel

Vor 100 Jahren geboren: Theologie-Pionierin Elisabeth Moltmann-Wendel
Frauen um Jesus, ein neues Bild von Gott, Streit ums Abendmahl: Kaum eine Theologin hat die Debatten in der evangelischen Kirche so geprägt wie Elisabeth Moltmann-Wendel. Vor einem Jahrhundert kam die Wissenschaftlerin zur Welt.

Tübingen (epd). Vor 100 Jahren wurde eine der Wegbereiterinnen der feministischen Theologie, Elisabeth Moltmann-Wendel, geboren. Sie kam am 25. Juli 1926 im westfälischen Herne zur Welt und starb am 7. Juni 2016 in Tübingen. Die protestantische Wissenschaftlerin erforschte die Frauen um Jesus, beschäftigte sich mit der Frauenbefreiung und kritisierte männliche Gottesbilder. Mit ihren Thesen zu einem frauenorientierten Abendmahlsverständnis hatte sie noch Mitte der 90er Jahre eine Kontroverse ausgelöst. Die Autorin zahlreicher Bücher und Studien war seit 1952 mit dem evangelischen Theologen Jürgen Moltmann (1926-2024) verheiratet. Aus der Ehe gingen vier Töchter hervor.

Die in Potsdam aufgewachsene Moltmann-Wendel studierte nach dem Krieg in Berlin und Göttingen evangelische Theologie. 1951 promovierte sie mit einer Arbeit über den niederländischen Theologen Hermann Friedrich Kohlbrügge. Sie machte sich in der Fachwelt einen Namen mit Büchern wie „Frauenbefreiung - Biblische und theologische Argumente“, „Ein eigener Mensch werden. Frauen um Jesus“, „Das Land, wo Milch und Honig fließt“ sowie „Mein Körper bin ich. Neue Wege zur Leiblichkeit“. Sie war zudem Mitherausgeberin des „Wörterbuches der Feministischen Theologie“ und engagierte sich auf zahlreichen evangelischen Kirchentagen.

Freiheit in der Kirche

Zusammen mit ihrem Mann, dem Tübinger Professor für Systematische Theologie Jürgen Moltmann, veröffentlichte sie „Als Frau und Mann von Gott reden“. Zu den Auszeichnungen, die sie erhielt, gehört der Preis „Für Freiheit in der Kirche“ der Herbert-Haag-Stiftung (Luzern). Sie habe vielen Frauen einen neuen Weg zum Evangelium eröffnet, erklärte nach ihrem Tod der damalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm. Feministische Theologie habe ihre Stärke in der Aufdeckung sozialer Ungerechtigkeit, argumentierte Moltmann-Wendel Anfang der 2000er Jahre. Der feministische Blickwinkel könne auch der „Kirche wieder ein bisschen Geist und Lebensmut einflößen“.