Berlin (epd). Nach tätlichen Auseinandersetzungen um einen AfD-Kranz am Jahrestag des Hitler-Attentats hat sich die Stiftung 20. Juli 1944 gegen eine politische Vereinnahmung des Gedenkens gestellt. Die Gedenkfeier im Berliner Bendlerblock diene „ausschließlich dem würdigen Erinnern an die Opfer und den Widerstand“, teilte die Stiftung am Montagabend mit. Sie sei „kein Ort für parteipolitische Inszenierungen oder politische Auseinandersetzungen“.
Der Stiftungsvorsitzende Robert von Steinau-Steinrück bestätigte dem Evangelischen Pressedienst (epd), dass der Großneffe des evangelischen Theologen und NS-Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer, Tobias Korenke, in ein Handgemenge um den Kranz verwickelt war. Dabei wurde versucht, den Kranz zu entfernen. AfD-Politiker seien daran jedoch nicht beteiligt gewesen, sondern Sicherheitsbeamte, sagte Steinau-Steinrück.
Verständnis für Empörung
In der Stellungnahme der Stiftung heißt es, die jährlichen AfD-Kranzniederlegungen im Bendlerblock „verletzen viele Angehörige der Frauen und Männer des Widerstands zutiefst“. „Die Stiftung 20. Juli 1944 versteht diese Empörung“, hieß es. Vieles von dem, wofür die AfD stehe, „steht im Widerspruch zu den Überzeugungen“, für die die Widerständlerinnen und Widerständler gegen das NS-Regime eingetreten sind.
Am 20. Juli 1944 hatte eine Gruppe um Claus Schenk Graf von Stauffenberg versucht, Adolf Hitler zu töten. Hitler überlebte das Attentat, der Staatsstreich misslang. Stauffenberg, sein Adjutant Werner von Haeften, Friedrich Olbricht und Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim wurden noch in der Nacht zum 21. Juli 1944 im Bendlerblock in Berlin-Tiergarten erschossen. Seit 1993 befindet sich dort der Berliner Sitz des Verteidigungsministeriums.



