Frankfurt a.M., Bunia (epd). Der kongolesische Arzt Moubarack Kano kritisiert die Ebola-Bekämpfung im Ostkongo als „völlig chaotisch“. Zahlreiche Helfer streikten, weil sie nicht bezahlt würden, obwohl sie ihr Leben riskierten, sagte Kano dem Evangelischen Pressedienst (epd). Sie forderten ihren Lohn ein, „und dass sie respektiert werden“. Helfer vor Ort würden nicht ausreichend ausgerüstet. „Es sterben viele medizinische Helfer, weil sie sich nicht schützen können.“
Auch die Patienten könnten nicht adäquat versorgt werden, sagte der ärztliche Direktor des „Centre Neuro-Psychopathologique“ in Bunia, der Hauptstadt der besonders vom Ausbruch betroffenen Ituri-Provinz. „Viele Leute sterben zu Hause, nicht in einem Behandlungszentrum“, sagte der 40-jährige Arzt: „Die Situation ist katastrophal.“ Man schaffe es zudem kaum, die Kontaktpersonen der Erkrankten zu identifizieren.
Keine Impfung
Auch die Kooperation und Koordination mit Experten, die aus der Hauptstadt Kinshasa zur Bekämpfung der Epidemie in den Ostkongo geschickt wurden, funktioniere nicht. „Diese Leute sollten wieder nach Hause gehen“, sagte Kano. „Kinshasa sollte neues Personal schicken, das die Koordination der Hilfe besser in den Griff bekommt.“
Der Ebola-Ausbruch im Osten der Demokratischen Republik war Mitte Mai entdeckt worden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rief kurz danach den internationalen Gesundheitsnotstand aus. Laut den kongolesischen Behörden gibt es mehr als 2.300 bestätigte Fälle und Hunderte Tote. Gegen die für den Ausbruch verantwortliche Bundibugyo-Variante des Erregers gibt es bisher weder zugelassene Medikamente noch eine Impfung. Auch die seit Jahren anhaltenden Konflikte in der Region erschweren die Eindämmung.
Zu wenig Hilfsgelder
Die bisher von internationalen Gebern bereitgestellten Gelder reichten „hinten und vorne nicht“, sagte Kano. Das Problem sei auch die Art und Weise, wie das Geld ausbezahlt werde. Über das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten gehe es zu internationalen und nationalen Hilfsorganisationen. „Aber vor Ort, wo die Kranken sind und behandelt werden sollen, kommt bisher nur wenig an“, kritisierte der Arzt. Das Geld gehe durch zu viele Hände.
„Es wäre besser, wenn zumindest ein Teil des Budgets direkt an den kongolesischen Staat ginge, der sich dann selbst um die Logistik kümmert“, sagte Kano. Zwar habe auch der Staat Probleme. „Aber den müssen wir dann verantwortlich halten.“



