Gestapo-Karte Ernst von Harnacks an SPD-Archiv übergeben

Gestapo-Karte Ernst von Harnacks an SPD-Archiv übergeben
Mithilfe einer Spendenaktion konnte vor einigen Wochen die hochumstrittene Versteigerung Hunderter NS-Devotionalien gestoppt werden. Die Gestapo-Karte eines sozialdemokratischen Widerstandskämpfers wurde nun an das SPD-Parteiarchiv ergeben.

Berlin (epd). Die Gestapo-Karte des Widerstandskämpfers Ernst von Harnack (1888-1945) ist in das SPD-Parteiarchiv übergegangen. Der Chef der nordrhein-westfälischen SPD-Landtagsfraktion, Jochen Ott, übergab das Dokument am Montag an die Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin. Anlass war der Gedenktag an das Attentat vom 20. Juli 1944.

Von Harnack war indirekt an dem Anschlagsversuch auf Adolf Hitler beteiligt. Das Dokument sollte kürzlich mit weiteren NS-Devotionalien bei einer Auktion in Neuss versteigert werden. Um den Verkauf zu verhindern, übernahm die Stiftung Auschwitz-Birkenau mit einer Spendenaktion mehr als 600 Dokumente. Für die Karte von Harnacks hatte der nordrhein-westfälische SPD-Landesverband eine finanzielle Patenschaft übernommen.

Von Harnack Symbol für demokratischen Widerstand

Er sei erschüttert gewesen, als er von der Auktion gehört habe, sagte Ott im Beisein von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) bei der Übergabe an den Vize-Vorsitzenden der Friedrich-Ebert-Stiftung, Reiner Hoffmann (SPD): „Diese Dokumente gehören in Museen und Gedenkstätten und sollten nicht meistbietend versteigert werden.“ Als Reaktion auf die Auktion hatte der Bundesrat im Juni eine Initiative zum Verbot des kommerziellen Handels mit persönlichen Gegenständen von NS-Opfern auf den Weg gebracht.

Ott würdigte von Harnack als Symbol dafür, dass das Attentat vom 20. Juli „Widerstand im breiten Sinne war“. Der Sozialdemokrat war an Planungen beteiligt, um nach einem Sturz Hitlers demokratische Strukturen in Deutschland aufzubauen. Wegen seiner Verbindungen zu den Attentätern wurde er kurz vor Ende des Krieges hingerichtet.