Hannover, Bonn (epd). Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz kritisiert die geplanten Änderungen des Denkmalschutzes in Niedersachsen, Sachsen, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Im Rahmen der geplanten Novellierungen sollten fachliche Standards abgesenkt, politische Einflussmöglichkeiten ausgeweitet und schädliche Eingriffe in historische Bauten erleichtert werden, teilte die Stiftung am Montag mit. „Wenn die Änderungsvorhaben umgesetzt werden, geraten Denkmale, Ortsbilder und gewachsene Baukultur in ganz Deutschland noch stärker in Gefahr“, warnte die Stiftung.
Die Politik versuche, mit den Neuerungen die Landesdenkmalämter als einzige unabhängig agierende Fachbehörden bei Bauvorhaben zur Seite zu drängen und Verfahren auf Kosten der Sorgfalt zu verkürzen, hieß es. Das werde mit Schlagworten wie Entbürokratisierung, Digitalisierung und Verfahrensbeschleunigung verschleiert: Es drohe eine Situation wie in den 1970er Jahren, als reihenweise historische Gebäude abgerissen worden seien, warnte Stiftungsvorstand Steffen Skudelny. In Niedersachsen befinden sich die geplanten Änderungen noch im Status eines Vorentwurfs.
Expertise der Landesdenkmalämter notwendig
Die Behauptung, die Einbindung der Fachleute der Landesdenkmalämter bei Genehmigungsverfahren verursache langwierige Prozesse und Verzögerungen, sei falsch, betonte die Stiftung. Die Unteren Denkmalschutzbehörden (UDB), die künftig allein über denkmalrechtliche Belange entscheiden sollten, hätten das verneint.
Sie seien laut eigener Aussage bereits jetzt überlastet und auf die Expertise der Landesdenkmalämter angewiesen. Das habe eine Umfrage der Stiftung in knapp 200 Denkmalschutzbehörden in Niedersachsen und Sachsen ergeben. Zudem unterstünden die Behörden den Kommunen und seien somit nicht unabhängig. Die Stiftung wirft Politik, Ländern und Kommunen vor, sich von Fachlichkeit und Expertentum zu entfernen und stattdessen selbst zu ermächtigen. Nur etwa drei Prozent der Bausubstanz in Deutschland stünden überhaupt unter Denkmalschutz.




