Ver.di-Befragung: Jobcenter-Mitarbeiter klagen über hohe Belastung

Ver.di-Befragung: Jobcenter-Mitarbeiter klagen über hohe Belastung
Personalmangel und Überstunden belasten Mitarbeiter von Jobcentern. Und das seit Jahren. Viele denken laut einer ver.di-Befragung an einen Jobwechsel oder sind krankgeschrieben.

Berlin (epd). Mitarbeiter von Jobcentern klagen über Personalmangel. Viele von ihnen arbeiten derzeit an der Belastungsgrenze, wie eine noch unveröffentlichte Befragung der Gewerkschaft ver.di unter Jobcenter-Beschäftigten zeigt. Die Auswertung der Antworten von mehr als 6.800 Mitarbeitenden mit und ohne Gewerkschaftszugehörigkeit liegt dem Evangelischen Pressedienst (epd) vor. Zunächst hatten die Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag) berichtet.

Fast 85 Prozent der Beschäftigten beschrieben ihre Arbeitsbelastung als hoch bis sehr hoch, wie es in dem Jobcenter-Report heißt. 49 Prozent gaben demnach an, mehrmals pro Woche Überstunden zu leisten. Insgesamt 91 Prozent berichteten von gesundheitlichen Auswirkungen, die meisten von ihnen (rund 41 Prozent) ordneten sich der Kategorie „Häufige Erschöpfung“ zu.

Knapp 28 Prozent verspürten eine „gelegentliche Erschöpfung“. Fast 13 Prozent dächten über einen Jobwechsel nach, und rund neun Prozent seien bereits wegen der Belastung krankgeschrieben gewesen. Die Ergebnisse basieren auf einer bundesweiten Online-Umfrage von Oktober 2025 bis März 2026. Die Ergebnisse seien nicht im strengen Sinn repräsentativ, aber aussagekräftig, hieß es.

Zu viele Fälle, zu wenig Personal

Drei Viertel (fast 75 Prozent) nannten laut Umfrage die Kombination von „zu hohen Fallzahlen und zu wenig Personal“ als Grund für die Überlastung. Für mehr als 70 Prozent sei der Reformdruck durch die Politik ein drängendes Problem. An dritter Stelle stünden mit knapp 67 Prozent der hohe Krankenstand und die Belastung durch Ausfälle.

Mit dem zum 1. Juli in Kraft tretenden Wechsel vom Bürgergeld zur Grundsicherung stehe erneut eine gesetzliche Umstellung an, sagte die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Christine Behle den Funke-Zeitungen. Sie kritisierte es als „fahrlässig“ von der Bundesregierung, bei der Reform neue Bürokratiepflichten einzuführen, aber nicht für ausreichend Personal zu sorgen. Das Ziel der schnelleren Vermittlung von Arbeitsuchenden in den Arbeitsmarkt gerate so in weite Ferne.