Wolfsburg (epd). Nach Medienberichten, wonach Volkswagen einen massiven Personalabbau vorbereitet, sehen Kirchenvertreter wachsende Besorgnis in der Belegschaft und bei den Menschen in der Region um die Wolfsburger Konzernzentrale. „Insbesondere die Ungewissheit, wen es wann betreffen könnte, belastet die Menschen in der Stadt und im Umland. Viele wissen nicht, was es für sie persönlich bedeuten wird“, sagte der Superintendent des Kirchenkreises Wolfsburg-Wittingen, Christian Berndt, am Samstag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Besorgnis um den Arbeitsplatz, um die persönliche Zukunft und die Auswirkungen auf das soziale Klima in der Region seien deutlich spürbar.
Zugleich erlebe er starke Solidarität über die Grenzen der Konzernzentrale Wolfsburg hinaus, betonte der Superintendent. Laut einem am Freitag vom „Manager Magazin“ veröffentlichten Bericht plant der VW-Vorstand einen massiven Umbau des Konzerns, bei dem weltweit bis zu 100.000 Stellen gestrichen und vier Standorte in Deutschland geschlossen werden könnten. Betroffen wären demnach die Werke in Hannover, Zwickau und Emden sowie die Audi-Produktion in Neckarsulm.
„Ein Job bei VW ist ein Stück der eigenen Identität“
Der Pastor für die Arbeitswelt in der hannoverschen Landeskirche, Frank Waterstraat, äußerte sich zurückhaltend zu den Medienberichten. Noch in der vorvergangenen Woche habe er die Betriebsversammlung bei VW Nutzfahrzeuge in Hannover-Stöcken besucht, sagte er dem epd: „Da war noch nicht von möglichen Werksschließungen die Rede. Im Gegenteil: Die Werksleitung machte zwar deutlich, dass die Lage im Konzern und in der Weltwirtschaft anspruchsvoll ist, aber man sich gemeinsam mit der Belegschaft den Herausforderungen stellen wolle“.
Gleichwohl habe er den Eindruck, dass das Vertrauen vieler Beschäftigter in den Konzern nicht mehr unerschütterlich sei und das Sicherheitsversprechen der „VW-Familie“ Risse bekommen habe, sagte Waterstraat. „Ein Arbeitsplatz bei VW, wie ihn schon der Großvater und der Vater hatten, stand stets für soziale Sicherheit und oft auch für wirtschaftlichen Aufstieg.“ Nach Jahrzehnten, in denen das „quasi ein Selbstläufer“ gewesen sei, werde nun deutlich, dass das Unternehmen nicht allen Krisen trotzen könne. „VW ist für viele mehr als Job, es ist ein Stück der eigenen Identität. Entsprechend tief wird jetzt die Verunsicherung in der Belegschaft sein“, sagte Waterstraat.
Nicht nur Jobs sind in Gefahr - sondern auch soziale Bindungen
Superintendent Berndt warnte vor einer möglichen Kettenreaktion mit schwerwiegenden wirtschaftlichen, aber auch sozialen Konsequenzen. „Weniger Beschäftigte bedeuten in der Folge weniger Umsatz, weniger Wirtschaftskraft, weniger Wertschöpfung - das hätte immense Auswirkungen auf die Infrastruktur nicht nur in Wolfsburg sondern weit darüber hinaus.“ Betroffen seien möglicherweise nicht nur VW-Belegschaften, sondern auch Beschäftigte von Zulieferbetrieben. Für viele Menschen könnte dies bedeuten, für einen neuen Job umziehen zu müssen und ihr vertrautes soziales Umfeld zurückzulassen.
Der Superintendent sagte, die unsichere Lage habe zu einer verstärkten Nachfrage nach kirchlichen Seelsorgeangeboten geführt. Auch er selbst werde dieser Tage verstärkt angesprochen. Berndt betonte: „Allen, die zu uns kommen, werden wir Türen und Ohren öffnen.“




