Das Ja-Wort in der Kneipe: Evangelische Aktion "einfach heiraten"

Das Ja-Wort in der Kneipe: Evangelische Aktion "einfach heiraten"
Spontan oder geplant, romantisch im Schlosspark oder zünftig in der Kneipe: Bei der Aktion "einfach heiraten" lassen sich bundesweit Paare trauen oder segnen. Wegen der Rekordhitze werden einige originelle Feierorte in eine kühle Kirche verlagert.
26.06.2026
epd
Von Ingo Lehnick (epd)

Düsseldorf, Bielefeld (epd). Bei der Aktion „einfach heiraten“ der evangelischen Kirche haben sich am Freitag an rund 300 Orten in ganz Deutschland Paare segnen oder kirchlich trauen lassen. An rund 70 weiteren Feierorten wird die unbürokratische Segnung oder Trauung, die auch spontan möglich ist, an diesem Wochenende und an einigen weiteren Terminen angeboten. Wegen der Rekordhitze um 40 Grad wurden Feierorte unter freiem Himmel teilweise in Kirchen verlegt, weil es dort kühler ist.

Bei der Aktion, die 2023 Premiere hatte, können sich Paare nicht nur in festlich geschmückten Kirchen und deren Außenflächen unter den Segen Gottes stellen, sondern auch an vielen außergewöhnlichen Orten. Unter anderem war das am Freitag im mittelalterlichen Schloss Burg an der Wupper in Solingen, auf einer Rheinfähre bei Köln oder in einem Theater in Hagen möglich. In Bonn wurden Paare eingeladen, sich am Abend in der Kultkneipe „Die Wache“ direkt neben dem Tresen das Ja-Wort zu geben.

Alle Verliebten sind willkommen

Einige besonders originelle Locations wie ein Wagen der historischen Straßenbahn „Blauer Enzian“ in Krefeld fielen jedoch der Hitze zum Opfer, die Veranstalter mussten in Kirchen ausweichen. Unter den derzeitigen Wetterbedingungen habe die Gesundheit aller Beteiligten Vorrang, hieß es. Die allermeisten Segnungen fanden ohnehin in und um Kirchengebäude statt, in denen es meistens kühl ist. In Parks, Gärten, Klosteranlagen und Schlössern wurden schattige Plätze ausgewählt.

Willkommen sind bei „einfach heiraten“ alle Verliebten, die sich einen besonderen Segen wünschen - unabhängig von Alter, Herkunft oder sexueller Orientierung. Wenn sie eine kirchliche Trauung wünschen, muss einer der Partner evangelisch sein und das Paar muss bereits standesamtlich geheiratet haben. Für eine Segnung gibt es keine Voraussetzungen. An jedem Feierort gab es einen besonderen Rahmen mit festlicher Atmosphäre, Musik und Dekoration.

Veranstalter von „einfach heiraten“ sind die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und zwölf Landeskirchen. Bei „einfach heiraten“ sei Kirche im Event-Modus, „um Segen erfahrbar zu machen“, sagte der Theologe und Pädagoge Carsten Haeske dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der Münsteraner Religionssoziologe Detlef Pollack sprach von einem Strukturwandel von Religion. Neue kirchliche Angebote wie Spontantrauungen oder Tauffeste unter freiem Himmel würden nachgefragt, sagte er dem epd. „Spontane Entscheidungen passen in unsere Zeit.“