Tumult beim Prozessauftakt im Fall des getöteten Zugbegleiters

Tumult beim Prozessauftakt im Fall des getöteten Zugbegleiters
Das Landgericht Zweibrücken hat nach einem Zuschauer-Tumult die Auftaktverhandlung gegen einen Staatsbürger aus Luxemburg zeitweise unterbrochen. Dieser wird beschuldigt, den Zugbegleiter Serkan Çalar bei einer Fahrkartenkontrolle getötet zu haben.
24.06.2026
epd
Von Alexander Lang (epd)

Zweibrücken (epd). Zum Auftakt des Prozesses gegen den Beschuldigten im Fall des getöteten Zugbegleiters Serkan Çalar ist es am Mittwoch zu einem Tumult unter den Zuschauern gekommen. Als im Landgericht im westpfälzischen Zweibrücken ein Tatvideo präsentiert wurde, das zeigt, wie der Angeklagte mehrfach auf Çalar einschlägt, äußerte sich ein Zuschauer lautstark, wie Gerichtssprecherin Corinna Zellmann sagte. Justizbeamte schritten ein, die Verhandlung wurde unterbrochen. Der Mann wurde des Saales verwiesen, gegen ihn verhängte das Gericht ein Bußgeld und für die Dauer des Prozesses ein Hausverbot.

Die Anklage wirft dem Beschuldigten, einem 26-jährigen griechischen Staatsbürger aus Luxemburg, Körperverletzung mit Todesfolge vor. Das Landgericht Zweibrücken hatte eine von der Staatsanwaltschaft erhobene Mordanklage nicht zugelassen. Für einen unterstellten Tötungsvorsatz fehlten demnach hinreichende Belege. Im Prozessverlauf wird es auch darum gehen, ob die Tat als Körperverletzung mit Todesfolge oder Mord zu bewerten ist. Am ersten Verhandlungstag wurden neben dem Angeklagten auch Zeugen, Gutachter, Vertreter der Familie des Getöteten sowie ehemalige Arbeitskollegen von der Deutschen Bahn gehört.

Angeklagter räumt volle Schuld ein

In einer verlesenen Erklärung übernahm der Angeklagte die volle Schuld für das Geschehen und bat die Angehörigen des Opfers um Verzeihung. „Es war eine nicht zu entschuldigende Tat, war ein Moment von blinder Wut“, sagte er. Gerne würde er alles ändern, wenn er könnte, die Tat werde ihn sein ganzes Leben lang verfolgen. Angehörige Çalars zeigten während der Verhandlung Bilder des Getöteten.

Laut Staatsanwaltschaft hat der Beschuldigte den 36-jährigen Zugbegleiter Çalar am 2. Februar in einem Regionalexpress zwischen Landstuhl und dem saarländischen Homburg angegriffen und durch mehrere kräftige Faustschläge tödlich verletzt. Kurz nach dem Überfall starb der aus Ludwigshafen stammende Çalar in der Klinik an einer Gehirnblutung. Der Schwarzfahrer, der aus Ärger über eine Fahrkartenkontrolle aggressiv geworden sein soll, hatte die Vorwürfe teilweise eingeräumt, aber einen Tötungsvorsatz abgestritten. Der Fall hatte bundesweite Diskussionen über Sicherheit im öffentlichen Personenverkehr ausgelöst.

Nebenkläger: Prozess soll Signal gegen Gewalt geben

Der Vertreter der Nebenklage, Yalçin Tekinoglu, appellierte am Rande der Verhandlung, dass von dem Prozess ein Signal gegen Gewalt in der Gesellschaft ausgehen solle, vor allem auch an Beschäftigten im öffentlichen Dienst. „Gewalt ist keine Lösung. Konflikte sind anders zu lösen“, sagte der Rechtsanwalt. Ein nichtiger Anlass wie im konkreten Fall eine Fahrscheinkontrolle dürfe nicht dazu führen, dass ein Mensch getötet werde. Der Anwalt kritisierte, dass sich der Beschuldigte zum Tathergang nicht äußern wolle. Im Vorfeld hatte er die Entscheidung des Gerichts kritisiert, den Fall nicht als Mord, sondern als Körperverletzung mit Todesfolge zu verhandeln.

Im weiteren Verlauf des Verfahrens sind sieben Fortsetzungstermine bis zum 9. Juli vorgesehen, am Donnerstag sollen unter anderem Tatzeugen befragt werden. Bei einer Verurteilung wegen Körperverletzung mit Todesfolge droht dem Beschuldigten eine Freiheitsstrafe von drei bis 15 Jahren.