Berlin (epd). Im Ringen um Frieden in Nahost mahnt die Diakonie Katastrophenhilfe an, den Gaza-Streifen nicht aus dem Blick zu verlieren. „Die Lage in Gaza darf nicht zum Nebenschauplatz werden“, betonte Martin Keßler, der Leiter des evangelischen Hilfswerks, am Mittwoch in Berlin.
Während der Iran und die USA eine Absichtserklärung für ein Kriegsende unterschrieben hätten und auch ein Ende des Kriegs zwischen der israelischen Armee und der Hisbollah-Miliz im Libanon angestrebt werde, sei die angespannte Lage in Gaza in den Hintergrund gerückt. Dabei komme es fast täglich zu Angriffen mit Opfern in der Zivilbevölkerung, die zudem unter Nahrungsmittelknappheit leide.
Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung
Zwar sei im Oktober vergangenen Jahres ein Friedensplan für Gaza vereinbart worden, der unter anderem die Versorgung der Menschen spürbar verbessern sollte, erklärte die Diakonie Katastrophenhilfe. Immer noch lebten aber viele in Zelten, überfüllten Notunterkünften oder harrten im Freien aus - auch weil zu wenige Hilfsgüter und Material in den Gaza-Streifen kämen, um Schäden zu reparieren. Rund vier Fünftel der Notunterkünfte im Gaza-Streifen seien von schwerem Nagetierbefall betroffen. Ratten verunreinigen demnach die knappen Lebensmittelvorräte, nagen Zelte durch und verbreiten Infektionen und parasitäre Krankheiten.
Und trotz des Abkommens komme es im Gaza-Streifen immer wieder zu Kämpfen und Angriffen. Zwischen Oktober 2025 und Juni 2026 seien laut UN mehr als 980 Menschen getötet und rund 3.100 verletzt worden. „Das Gefühl von Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung wächst“, sagte Keßler. Wenn eine nachhaltige Friedenslösung für die gesamte Region gefunden werden solle, dürfe der Gaza-Streifen nicht vernachlässigt werden.




