Bogotá (epd). Der ultrarechte Anwalt Abelardo de la Espriella steht bei der Präsidentschaftswahl in Kolumbien vor einem knappen Sieg. Nach den vorläufigen Ergebnissen der Wahlbehörde kam er bei der Stichwahl am Sonntag auf 49,66 Prozent der Stimmen, sein linker Kontrahent Iván Cepeda auf 48,7 Prozent. Zwischen beiden Kandidaten lagen damit knapp 251.000 Stimmen, wie das Portal "La Silla Vacía” am Sonntagabend (Ortszeit) meldete.
Mit 63,6 Prozent war die Wahlbeteiligung deutlich höher als beim ersten Wahlgang am 31. Mai. Die Wahl verlief ruhig. Rund 408.000 Polizisten und Soldaten sicherten die Wahllokale.
Cepeda spricht von Unregelmäßigkeiten
Die Ergebnisse aus rund 33.000 Wahlurnen, etwa 27 Prozent aller Urnen, würden wegen vermuteter Unregelmäßigkeiten angefochten, sagte der linke Menschenrechtler Iván Cepeda vor seinen Anhängern in Bogotá. Er kündigte an, das endgültige Ergebnis erst nach der amtlichen Überprüfung aller Wahlprotokolle anzuerkennen, die noch aussteht.
Allerdings ließ er auch durchblicken, dass er eine Präsidentschaft de la Espriellas für möglich hält und sagte: „Wir werden nicht zulassen, dass die sozialen Errungenschaften, die wir aufgebaut haben, wieder rückgängig gemacht werden.“ Cepeda wollte den ökosozialen Reformkurs des scheidenden Präsidenten Gustavo Petro fortsetzen.
De la Espriella ruft „neue Ära“ aus
Nachdem ihm zahlreiche Politiker der Mitte und der traditionellen Rechten sowie US-Außenminister Marco Rubio gratuliert hatten, hielt Abelardo de la Espriella in der Hafenstadt Barranquilla eine Siegesrede. Darin rief der Anwalt und Unternehmer, der sich selbst „der Tiger“ nennt, den Beginn einer „neuen Ära“ aus und verkündete, er wolle „Präsident aller Kolumbianer“ sein.
„Respektieren Sie den Willen des kolumbianischen Volkes”, appellierte der von US-Präsident Donald Trump unterstützte Politiker an Cepeda und Präsident Petro. “Hier wird es keine dritte Wahlrunde auf den Straßen geben."
In Bogotá und Cali protestierten unterdessen linke Regierungsanhänger. In Cali kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizisten, nachdem US-Fahnen in Brand gesteckt worden waren.




