Autorin Meinhardt: Rebellische Nonnen schreiben Kirchengeschichte

Autorin Meinhardt: Rebellische Nonnen schreiben Kirchengeschichte
Die österreichische Journalistin Edith Meinhart hat drei Nonnen bei ihrem Protest gegen ihre Einweisung ins Altenheim begleitet. Was die katholische Kirche über den Umgang mit Ordensschwestern lernen kann, erklärt sie im epd-Gespräch.
20.06.2026
epd
epd-Gespräch: Verena Mauß

Frankfurt a.M. (epd). Katholische Ordensschwestern sollten nach Meinung der Journalistin und Buchautorin Edith Meinhart im Alter in die Entscheidung einbezogen werden, ob sie vom Kloster in ein Pflegeheim umziehen wollen. Drei Nonnen aus dem österreichischen Goldenstein hätten dazu einen wichtigen Beitrag geleistet und mit ihrem Widerstand „Kirchengeschichte geschrieben“, sagte Meinhart dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Die Augustiner-Chorfrauen wurden gegen ihren Willen und ohne Ankündigung in ein Altenheim bei Salzburg gebracht. Sie wehrten sich erfolgreich gegen ihre Umsiedlung ins Altenheim, indem sie im vergangenen Jahr ihr altes Kloster besetzten und ihre Beschwerde sogar im Vatikan vorbrachten. Meinhart hat darüber ein Buch mit dem Titel „Nicht mit uns! Die unglaubliche Geschichte der Nonnen von Goldenstein“ geschrieben.

„Der Fall Goldenstein bewirkt ein Umdenken, wie die katholische Kirche mit Ordensschwestern umgehen sollte“, sagte Meinhart. Nach der öffentlichen Debatte über die auf Instagram bekannt gewordenen Nonnen sei es unwahrscheinlich geworden, dass Nonnen ohne vorherige Absprache ins Pflegezentrum gebracht werden.

Vatikan-Regel nur für Frauenklöster

Vor zehn Jahren hatte der Vatikan entschieden, dass Frauenorden, die weniger als fünf Nonnen zählen, einem männlichen Propst unterstellt werden. Im Fall der Goldenstein-Nonnen hatte ihr Propst einen Vertrag aufgesetzt, um das Kloster an die Augustiner-Chorherren von Reichersberg und die Erzdiözese Salzburg zu verschenken. Die Nonnen hätten mit der Übertragung kein Problem gehabt, betonte Meinhart - vorausgesetzt, sie hätten in ihrem klösterlichen Zuhause wohnen bleiben können. Dies sei den Nonnen mündlich versprochen, aber im Vertrag zurückgenommen worden.

Meinhart kritisierte, geistliche Frauen seien in der römisch-katholischen Kirche strukturell benachteiligt. „Da Frauen nicht geweiht werden dürfen, sind sie von Ämtern ausgeschlossen“, sagte sie. Die Regelung des Vatikan gelte zudem nicht für Mönche. In der Vorstellung der Kirche müssten Nonnen gehorsam sein, aber dabei würden ihre Selbstbestimmungsrechte nicht ernst genug genommen, sagte Meinhart. „Menschenrechte scheinen oft abstrakt und selbstverständlich, bis sie verletzt werden“, erklärte sie. „Die Nonnen haben selbst erlebt, wie wichtig Rechte sind - etwa das eigene Leben zu gestalten und den Wohnraum frei zu wählen.“

Bei Rückkehr Strom abgestellt

Die Schwestern hätten sich sehr gefreut, ins Kloster zurückzukehren. „Aber sie waren auch entsetzt über fehlende Gegenstände in ihren Zimmern und den abgestellten Strom“, sagte Meinhart über die Klosterbesetzung. „Der Wille, mit der Situation fertig zu werden, hat überwogen.“

Die Rebellion der Nonnen hat funktioniert. Sie dürfen mit päpstlichem Segen in ihrem Kloster bleiben. „Darin erfüllt sich der größte Wunsch der Schwestern: Sie dürfen bis zu ihrem Lebensende ein selbstbestimmtes Leben im Kloster Goldenstein führen“, sagte Meinhart. Morgens gingen die Nonnen in die Kapelle, eine Schwester arbeite gerne im Garten, und zwei Betreuerinnen unterstützten im Alltag.