Studie: Mehr Frührentner arbeiten auch im Ruhestand weiter

Studie: Mehr Frührentner arbeiten auch im Ruhestand weiter
Der Wegfall der Hinzuverdienstgrenze für Rentner führt laut einer Studie dazu, dass vermehrt Menschen in Frührente gehen und im Ruhestand Geld dazuverdienen. Zugleich untergrabe dies jedoch die Pläne des Bundes, die Rentenaltersgrenze anzuheben.

Köln (epd). Die Abschaffung der Hinzuverdienstgrenze für Rentner hat laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) dazu geführt, dass Arbeitnehmer vermehrt vorzeitig in Rente gehen und zugleich weiter Geld hinzuverdienen. So sei der Anteil bei besonders langjährig Versicherten, also Menschen mit 45 Versicherungsjahren, die in der Rente einen hohen und über einen Minijob hinausgehenden Hinzuverdienst haben, nach dem Wegfall der Grenze im Jahr 2023 auf 25 Prozent gestiegen, wie das arbeitgebernahe IW am Freitag in Köln mitteilte. 2022 waren es noch 18 Prozent.

Das gleiche Muster zeige sich bei den langjährig Versicherten, die nach 35 Versicherungsjahren schon ab 63 Jahren mit Abschlägen in Rente gehen können. Hier stieg der Anteil in dem Zeitraum von 8 auf 14 Prozent. Für die Studie wurden Daten der Deutschen Rentenversicherung für die Jahre 2018 bis 2024 ausgewertet und mit Beschäftigtendaten abgeglichen. Die Zahlen für 2024 sind vorläufig.

Einige Versicherte nehmen Abschläge bewusst in Kauf

Seit der Reform der Hinzuverdienstgrenze gehen zudem mehr Menschen vorzeitig und mit Abschlägen in Rente und arbeiten nicht mehr bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze. Dabei ist der Anteil der langjährig Versicherten mit 35 Versicherungsjahren von 21,7 Prozent (2020) auf 24 Prozent (2024) gestiegen. Einige Versicherte nähmen die Abschläge dabei offenbar bewusst in Kauf, erklärte das IW.

In diesem Zusammenhang verweisen die Studienautorinnen darauf, dass die Abschaffung der Hinzuverdienstgrenze bei Rentnern das Ziel untergräbt, die Regelaltersgrenze in Deutschland anzuheben. „Die Regierung sendet gegensätzliche Signale an die Babyboomer: Zum einen erhöht sich bis 2031 die Regelaltersgrenze auf 67 Jahre“, sagte die IW-Arbeitsmarktökonomin Stefanie Seele. „Zum anderen werden vorzeitige Renteneintritte für die Gemeinschaft teuer ermöglicht.“ Maßnahmen wie der Wegfall der Hinzuverdienstgrenze und die Aktivrente seien deshalb kostspielig und lösten das Problem „nicht nachhaltig“.