Bayreuth, München (epd). Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, kritisiert die Absage eines Auftritts von Michel Friedman bei den Bayreuther Festspielen. „Diese Absage ist auf jeder Ebene eine Bankrotterklärung“, sagte Knobloch am Donnerstag. Bei der vermeintlichen Verschiebung handelte es sich faktisch um nichts anderes als eine Ausladung Friedmans durch die Festspielleitung, durch die Begründung „Sicherheitsbedenken“ würde die Verantwortung obendrein noch Friedman zugeschoben. „Mir fehlen die Worte, um meine Wut und Enttäuschung auszudrücken“, sagte Knobloch.
Der deutsch-französische Publizist Michel Friedman, früherer stellvertretender Vorsitzender des Zentralrats der Juden, sollte zum Auftakt der 150. Bayreuther Festspiele über Antisemitismus, den Komponisten Richard Wagner und die Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit der Festspiele sprechen. Der Öffentlichkeit war die Veranstaltung nicht bekannt, weil sie weder im Festprogramm stand, noch ein Vorverkauf stattgefunden hatte.
Erst die Berichterstattung der „Süddeutschen Zeitung“ Anfang der Woche machte darauf aufmerksam. Geplant war demnach ein Gedenkkonzert am Vormittag des 26. Juli. Zusätzlich zur Eröffnungsoper „Rienzi“ mit zahlreichen prominenten Gästen könne man dieses sicherheitstechnisch nicht stemmen, hieß es laut der Zeitung von den Festspielen zur Begründung.
„Sein Wort hat Gewicht“
„Michel Friedman ist einer der bedeutendsten Intellektuellen, die wir in diesem Land haben“, sagte Knobloch. „Sein Wort hat Gewicht, und gerade zum Auftakt dieses Jubiläums hätte es noch schwerer gewogen.“
Dass die Leitung ihm an dieser hochsymbolischen Stelle eine Bühne erst anbiete und dann unter fadenscheinigem Vorwand wieder entziehe, sei unprofessionell und würdelos, fügte die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden hinzu. Mit diesem Vorgehen habe die Festspielleitung eine Gelegenheit zur Aufarbeitung ihrer eigenen NS-Vergangenheit nicht nur verpasst, sondern „auch für die Zukunft erheblich erschwert“.
Friedmans Vortrag wäre für die Anwesenden sehr wahrscheinlich schmerzhaft gewesen. „Das aber war doch Sinn und Zweck seiner Einladung: ein Gespräch zu beginnen, das mehr ist als leere Symbolik und das deshalb auch wehtut.“
Friedman: Ich mag nicht für dumm verkauft werden
Für Friedman selbst sind die Sicherheitsbedenken nur vorgeschoben. Im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“, sagte er: „Ich mag es nicht, wenn man die Öffentlichkeit und mich für dumm verkauft.“ Das Gedenkkonzert und die spätere „Rienzi“-Premiere hätten nicht im selben Gebäude stattfinden sollen. „Und die Festspiele sind nicht in der Lage, sich um zwei Veranstaltungsräume im Abstand von mehreren Stunden zu kümmern?“, fragte Friedman. Auch dass kein Vorverkauf für die Veranstaltung gestartet worden sei, zeige, dass die Entscheidung, ob man die Veranstaltung überhaupt mache, schon lange infrage stehe.



