Berlin (epd). Der Leipziger Sozialforscher Gert Pickel fordert für einen besseren gesellschaftlichen Zusammenhalt eine Stärkung demokratischer Strukturen. „Wenn Bundesfamilienministerin Karin Prien Programme wie 'Demokratie leben!' kürzt, ist das kontraproduktiv“, sagte Pickel dem „Tagesspiegel“ (Donnerstag/Print). Wer in Vereinen aktiv ist, lerne, wie Demokratie funktioniert, und sei „eher bereit, sie auch zu verteidigen“.
Demokratischer Zusammenhalt müsse aber gleichzeitig aus den Menschen selbst kommen, argumentierte der Professor für Religions- und Kirchensoziologie an der Universität Leipzig. Wichtig sei der Respekt vor anderen: „Und die Akzeptanz, dass andere potenziell anders leben könnten.“
Nationalisten besonders unzufrieden mit Zusammenhalt
Der Zustand des gesellschaftlichen Zusammenhalts wird Pickel zufolge insbesondere von Gruppen, die eine völkische, nationalistische Gemeinschaft wollen, als schlecht empfunden: „Diese Gruppe ist mit jeder Form pluralen Zusammenhalts zutiefst unzufrieden.“ Pickel erklärte, dass „viele, die heute dem Völkischen zuneigen“ davon ausgingen, dass im Falle einer AfD-Regierung „ihre eigene Freiheit nicht angetastet wird“. Sie dürften „böse überrascht werden“; sagte der Soziologe.



