Berlin (epd). 8.725 antisemitische Vorfälle oder durchschnittlich 24 pro Tag: Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) hat für 2025 erneut einen Höchststand an Übergriffen dokumentiert. Darunter seien 178 Angriffe, 413 gezielte Sachbeschädigungen und 257 Bedrohungen gewesen, wie aus dem am Mittwoch in Berlin vorgestellten Jahresbericht hervorgeht. Im Vorjahr waren 8.713 Vorfälle gemeldet worden. Im Vergleich zum Jahr 2022, vor dem Hamas-Überfall auf Israel am 7. Oktober 2023 und dem folgenden Krieg im Gaza-Streifen, habe sich die Zahl der Vorfälle allerdings mehr als verdreifacht.
Der israelbezogene Antisemitismus, etwa wenn eine Vernichtung des Staates Israel gefordert wird, stellte mit 68 Prozent aller Übergriffe die häufigste Erscheinungsform dar. Das Gros der Taten machte sogenanntes verletzendes Verhalten aus. Vorfälle dieser Kategorie betrafen demnach häufig antisemitische Schmierereien.
Viele Drohungen online
Neben den Angriffen habe RIAS bundesweit vier Fälle extremer Gewalt erfasst (2024: acht Fälle). Dazu gehörte etwa der Messerangriff auf einen spanischen Touristen im Stelenfeld des Berliner Holocaust-Mahnmals im Februar 2025. Mehr als ein Viertel aller Vorfälle habe sich online ereignet, dort fanden besonders viele Bedrohungen und Morddrohungen statt.
Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, sieht Antisemitismus in Deutschland aufgrund der Zahlen „ungebremst auf dem Vormarsch“. Antisemitismus sei „kein Ausnahmezustand mehr, sondern für viele Jüdinnen und Juden bitterer Alltag“.
Zentralratspräsident: Jüdisches Leben nur unter Schutz möglich
Auch für den Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, führt die „fast alltägliche Präsenz des Judenhasses“ zur Bildung einer „neuen Normalität“. Jüdisches Leben werde aus der Öffentlichkeit gedrängt und sei nur unter „immensen Schutzanstrengungen möglich“, sagte Schuster am Mittwoch der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.
Ebenfalls einen neuen Höchststand seit Beginn der bundesweiten Erhebung im Jahr 2020 erreichten Vorfälle mit rechtsextremem Hintergrund. Insgesamt verzeichnete RIAS dort 807 Fälle (2024: 562), etwa Verschwörungsmythen und NS-Verherrlichung. Zudem konnten 96 Versammlungen mit antisemitischen Vorkommnissen einem rechtsextremen Hintergrund zugeordnet werden, mehr als doppelt so viele wie noch im Jahr 2024. 501 Vorfälle hatten einen links-antiimperialistischen Hintergrund, im Vergleich zu 349 registrierten Fällen im Vorjahr.
„Antiisraelischer Aktivismus“ am häufigsten
Am häufigsten konnten die Taten jedoch der Kategorie „antiisraelischer Aktivismus“ (23 Prozent) zugeordnet werden, die im Jahr 2024 noch 26 Prozent ausmachte. Nur zwei Prozent gingen auf das Konto islamistischer Ideologien. Bei der Mehrzahl der Fälle konnte kein politisch-weltanschaulicher Hintergrund sicher zugeordnet werden. Unter den Bundesländern verzeichnete Berlin (2.027) mit Abstand die meisten Vorfälle.
Die RIAS-Meldestellen dokumentieren antisemitische Vorfälle und vermitteln Unterstützung an Betroffene. In den Bericht flossen demnach Vorfälle aus dem Bundesgebiet und von Meldestellen in zwölf Bundesländern ein.



